https://www.faz.net/-gpf-a432j

Paris schließt Cafés und Bars : „Wir müssen jetzt bremsen“

Ausgetrunken: Für zwei Wochen müssen die Pariser auf den Bar-Besuch verzichten. Bild: AFP

Nachdem die Zahl der Corona-Infektionen einen neuen Höchststand erreicht hat, steht Frankreich vor einem schweren Herbst. Besonders betroffen ist Paris. Das Leben der Menschen wird wieder stärker eingeschränkt.

          2 Min.

          Die französische Regierung hat für die Stadt Paris und die angrenzenden Kommunen die höchste Corona-Warnstufe verhängt. Von diesem Dienstag an müssen alle Bars und Cafés schließen, vorerst für zwei Wochen. „Die Epidemie breitet sich zu schnell aus, wir müssen jetzt bremsen“, sagte der zuständige Polizeipräfekt Didier Lallement am Montag. „Wir hoffen, dass die Lage sich in 14 Tagen verbessert“, sagte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In Paris und den umliegenden Départements müssen auch Schwimmbäder, Sporthallen und andere Mehrzweckhallen für den Publikumsverkehr schließen. Nur Schulkinder dürfen im Rahmen des Unterrichts die Schwimmbäder und Sporthallen benutzen. Theater, Kinos und Museen bleiben aber geöffnet. „Wir beginnen eine neue Etappe. Wir müssen uns ständig der Realität der Epidemie anpassen“, sagte der Polizeipräfekt. Der Durchschnittswert von 3500 neuen Infektionsfällen je Tag im Großraum Paris sei einfach zu hoch, bestätigte auch der Leiter der zuständigen Gesundheitsbehörde ARS, Aurélien Rousseau. Die Zahl liege dreieinhalb Mal so hoch wie Anfang Juli, sagte Rousseau während der gemeinsamen Pressekonferenz.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Aus den Protesten in Marseille über die Beschränkungen wurde in Paris gelernt. Die unterschiedlichen Akteure, vom Präfekten bis zur Bürgermeisterin, traten gemeinsam auf. Anders als in Marseille und Aix-en-Provence müssen die Gaststättenbetreiber in der französischen Hauptstadt und den umliegenden Kommunen die Restaurants nicht schließen. Sie müssen vielmehr verschärfte Hygieneregeln einhalten, darunter die Erfassung der Personendaten der Gäste wie dies in Deutschland bereits üblich ist. Zudem gelten neue Abstandsregeln von 1,5 Metern zwischen den Tischen. Es sind maximal sechs Personen je Tisch erlaubt, gezahlt werden darf nur noch am Tisch. Damit soll verhindert werden, dass Gäste im Restaurant herumlaufen.

          Ein Großteil der Neuansteckungen ereignet sich in Schulen und Universitäten, wie der Leiter der Gesundheitsbehörde für die Hauptstadtregion mitteilte. 40 Prozent der sogenannten Cluster seien im schulischen und universitären Milieu registriert worden, erläuterte Rousseau. Die Universitäten müssten von diesem Dienstag an 50 Prozent des Lehrbetriebs auf Online-Angebote umstellen. Studentenfeiern seien künftig strikt verboten. Im öffentlichen Raum im Freien dürfen sich maximal zehn Personen versammeln.

          Fortan gilt auch in Einkaufszentren und großen Kaufhäusern eine neue Beschränkung. So müsse jeder Kunde vier Quadratmeter zur Verfügung haben, kündigte der Polizeipräfekt an. Alle Messen, Kongresse und andere Großveranstaltungen in Paris werden bis auf weiteres abgesagt. In den Altersheimen sind Besuche nur noch nach Anmeldung und von maximal zwei Personen erlaubt.

          Auch aus anderen Gebieten Frankreichs werden steigende Infektionszahlen gemeldet. Mit annähernd 17.000 neu registrierten Corona-Infektionen innerhalb von 24 Stunden hat Frankreich am Wochenende einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Pandemie stieg auf 32.200. Frankreich zählt zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern Europas. Die Regierung ringt noch immer um eine schlüssige Kommunikationsstrategie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fünf Tote in Trier : Mutmaßlicher Amokfahrer muss vor Haftrichter

          Einen Tag nach der schrecklichen Amokfahrt in Trier entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie für den festgenommenen Autofahrer Untersuchungshaft oder eine Unterbringung in der Psychiatrie beantragt. Fünf Menschen wurden am Dienstag in der Innenstadt getötet.
          Fragwürdige Ehrung: „Ahnengalerie“ im Bundesarbeitsgericht in Erfurt

          Frühere Bundesrichter : Tief verstrickt in NS-Verbrechen

          Das Bundesarbeitsgericht hat seine Vergangenheit nie aufarbeiten lassen. Jetzt zeigt sich: Etliche seiner Richter hatten in der NS-Zeit Todesurteile zu verantworten oder sich auf andere Weise schwer belastet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.