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Corona unter Ureinwohnern : Schlimmer als in New York

  • -Aktualisiert am

Untersuchung in einem provisorischen Zelt im Reservat Navajo Nation Bild: AFP

Fast 100.000 Menschen sind in Nordamerika an den Folgen von Covid-19 gestorben. Besonders die Ureinwohner trifft es hart. In der Navajo Nation, dem größten Reservat amerikanischer Ureinwohner, haben sich pro Kopf mehr Menschen angesteckt als im ganzen Land.

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          „Ärzte ohne Grenzen“ gehen zumeist dorthin, wo es an allem fehlt, in Länder mit riesigen Flüchtlingslagern, Hungersnöten und Krankheiten, die im globalen Norden längst ausgerottet sind. Doch kürzlich reisten neun Mediziner der Organisation in die Vereinigten Staaten, die den meisten Berechnungen nach das reichste Land der Welt sind. Ihr Ziel war die Navajo Nation, das selbst verwaltete größte Reservat amerikanischer Ureinwohner. Nirgendwo in Amerika soll das Coronavirus, gemessen an der Bevölkerung, mehr Menschen infiziert haben – selbst in New York nicht. Und im Südwesten des Landes traf es auf ein Gesundheitssystem, das noch weniger darauf vorbereitet war als andernorts.

          Dort, wo Touristen die einzigartigen Formen des Antelope Canyon bewundern oder im Monument Valley auf die Suche nach Film-Mythen gehen, leben 350.000 Angehörige der Navajo Nation. Das Gebiet umfasst Teile von Arizona, Utah und New Mexico. Auch unter normalen Umständen kämpfen die Menschen hier täglich mit widrigen Lebensbedingungen und einer schwachen Infrastruktur. Und wie in New York und anderswo hat das Coronavirus die Probleme, die durch Armut und Rassismus entstanden waren, noch verschärft. Über die Hälfte der Navajo lebt unter der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei knapp 12.000 Dollar im Jahr, einem Drittel des nationalen Durchschnitts. Um die 40 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Wer Arbeit hat, lebt von der Viehzucht, vom Bergbau oder vom Tourismus.

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