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Drittimpfung für alle? : Das ist der falsche Boost

  • -Aktualisiert am

Eine Oberstufenschülerin lässt sich bei einer Impfaktion des Malteser Hilfsdienstes im September in Berlin impfen. Bild: dpa

Israel packt’s wieder mal an: Nur dreimal Geimpfte dürfen ins Restaurant oder an die Uni. Dabei ist ein Großteil der Weltbevölkerung noch gar nicht geimpft. Das sollte Priorität haben.

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          Als Israel im Januar einen Deal mit Pfizer einging und große Mengen Impfstoff erhielt, zog das Land viel Neid auf sich. Tatsächlich hat die Welt davon profitiert, dass Israel dem Hersteller im Gegenzug viele Daten überließ. So gab es früh gute Studien über die Wirksamkeit des Vakzins. Andererseits hat Israel, das wie kein anderes Land von Impfstoffmangel verschont blieb, heute keine bessere Quote als Deutschland: Drei von zehn Israelis ließen sich nicht immunisieren.

          Dafür sind etwa 37 Prozent der Israelis schon dreifach geimpft. Deshalb beugen sich die Fachleute auch hierzulande wieder über israelische Studien. Dass sich der „Booster“ für Risikogruppen auszahlt, steht außer Zweifel; bei Gesunden ist die Sache diffiziler.

          In Israel regiert nicht die STIKO

          Doch die israelische Regierung ist nicht die STIKO, sondern setzt ihren zupackenden Kurs fort: Bürger ohne Drittimpfung verlieren jetzt ihren „Grünen Pass“, der Zutritt zu Gastronomie oder auch Universitäten gewährt. So bleibt das Land ein Labor. Unwahrscheinlich, dass dort gravierende Nebenwirkungen bei Impflingen festgestellt werden.

          Doch die Kosten-Nutzen-Abwägung ist komplexer: Solange in vielen Ländern noch fast niemand geimpft wurde, werden die Vakzine dort dringender gebraucht. Das oberste Ziel muss lauten, den Impfschutz zu retten. Da helfen großzügig verabreichte Drittimpfungen weniger als eine globale Politik, die Mutationen verhindert – Mutanten, gegen die unsere Vakzine auch dreifach machtlos sein könnten.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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