https://www.faz.net/-gpf-acmio

Fußball-Europameisterschaft : Muss das alles genau so sein?

  • -Aktualisiert am

Schöner Lichteffekt, Fans: So soll die EM nach dem Geschmack der UEFA aussehen. Bild: Picture-Alliance

Der paneuropäische Reisezirkus namens EM wäre schon in normalen Zeiten allenfalls etwas für Bildschirmfans. In Corona-Zeiten grenzt das aber an Fahrlässigkeit. Der Fußball und seine eigene Welt.

          1 Min.

          Auf den ersten Blick passt das Ereignis gut in das sich stetig aufhellende Bild. Die Infektionszahlen sinken, die Zahl der Geimpften steigt. Das Leben, wie wir es vor der Pandemie kannten, kehrt allmählich zurück. Warum also nicht ein paneuropäisches Fußballfest feiern, das vor einem Jahr eben wegen der Pandemie abgesagt worden war?

          Fußball-EM

          Auf den zweiten Blick fragt man sich allerdings, ob das wirklich alles so, wie es jetzt kommt, sein muss. In Großbritannien, wo nicht nur das Finale der Europameisterschaft ausgetragen werden soll, bereitet die Delta-Variante des Virus selbst dem notorisch optimistischen Premierminister Boris Johnson so große Sorgen, dass er die angekündigte Aufhebung der meisten Corona-Beschränkungen wieder in Frage stellt. Und wenn sogar Russland, wo offizielle Nachrichten nicht negativ sein dürfen, steigende Infektionszahlen meldet, zeigt sich, dass noch nicht alles vorbei ist.

          Warum zehn Gastgeberländer?

          Das muss nicht gegen die Austragung einer Europameisterschaft sprechen. Aber warum wird das Turnier dann nicht in einem oder höchstens zwei Ländern ausgetragen? Schon 2012, als der damalige UEFA-Präsident Michel Platini seine Idee einer paneuropäischen EM in zwölf (heute zehn) Ländern durchsetzte, wurde die Sinnfrage gestellt. Der Volkssport Fußball würde auf diese Weise schon in vollkommen normalen Zeiten vom internationalen Fanerlebnis zu einem reinen Bildschirmereignis, bei dem Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern mehr zufällig wären.

          In Corona-Zeiten grenzt der paneuropäische Reisezirkus an Fahrlässigkeit. Man muss hoffen, dass die Folgen überschaubar bleiben.

          Aber der Fußball und seine Funktionäre leben ohnehin in ihrer eigenen Welt. Der Veranstalter hat mit harten Bandagen dafür gekämpft, dass die Spiele vor (reduziertem) Publikum stattfinden. Aber wenn Russland, einer der Gastgeber, unliebsame ausländische Berichterstatter ausschließt, ist von der UEFA nichts zu hören. Wundert sich angesichts all dessen noch jemand über das Ergebnis einer Umfrage, wonach die meisten Deutschen auf die EM mehr oder weniger pfeifen?

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Weitere Themen

          Aufbruchstimmung passé Video-Seite öffnen

          Tunesien in politischer Krise : Aufbruchstimmung passé

          Das Musterland des Arabischen Frühlings befindet sich in einer kritischen Lage. Viele Tunesier erleben ihre Situation heute sogar schlechter als während der autoritären Herrschaft bis 2011. Die Krise gilt jedoch als hausgemacht.

          Topmeldungen

          Die Erde wird zu einer Wüste werden, wenn wir unsere Landwirtschaft nicht sofort radikal verändern. Davon ist Felix Prinz zu Löwenstein  fest überzeugt.

          Zukunft der Landwirtschaft : Die hausgemachte Selbstzerstörung

          Felix Prinz zu Löwenstein gehört zu den Pionieren des Öko-Landbaus und zu den wortmächtigsten Verfechtern einer grünen Revolution. Für ihn steht nichts weniger als die Rettung unserer Lebensgrundlagen auf dem Spiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.