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Corona-Demos in London : „Bestenfalls eine Grippewelle“

Menschen demonstrieren am Samstag in London gegen die Corona-Politik der britischen Regierung Bild: dpa

In London gingen am Samstag Tausende gegen die Corona-Politik ihrer Regierung auf die Straße. Der Lockdown sei unberechtigt heißt es dort. Die Polizei nahm einzelne Protestler in Gewahrsam.

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          Als die Menschen am Samstag zu Tausenden auf den Londoner Trafalgar Square strömten, um gegen die britische Seuchenpolitik zu protestieren, verteilte die Polizei Flugblätter. Wer an öffentlichen Versammlungen mit mehr als dreißig Personen teilnehme, verstoße gegen die Corona-Auflagen und mache sich strafbar, hieß es darauf. Das hielt die Demonstranten, die aus allen Teilen des Königreichs angereist waren, nicht davon ab, die Kundgebung vor der Nelson Column zu besuchen. Einzelne wurden von Polizisten mit Gesichtsmasken abgeführt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Zu den Protestsprechern gehörte Piers Corbyn, eine Galionsfigur der „Unite-for-Freedom“-Bewegung und Bruder des früheren Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn. Vor der Demonstration hatte er versucht, der bunten Sammlungsbewegung einen gemeinsamen Nenner zu verpassen. „Ob man nun glaubt, dass der Virus eine Erfindung ist oder nicht, entspricht das, was gerade passiert, bestenfalls einer normalen Grippewelle, was den Lockdown und was damit zusammenhängt so oder so ungerechtfertigt erscheinen lässt“, äußerte er.

          „Ich bin ein freier Mensch und keine Nummer“

          Unter den Demonstranten befanden sich Liberale, die Schilder wie „Ich bin ein freier Mensch und keine Nummer“ hochhielten, Wutbürger („Die Medien sind der Virus“), Impfgegner und Verschwörungstheoretiker. Der wohl bekannteste ist David Icke, der die Menschheit von Reptilien gesteuert sieht und das Coronavirus mit dem 5G-Netzwerk in Verbindung bringt. Auch er sprach auf der Veranstaltung.

          Rechte Gruppen, die an einen satanischen Kult gegen Donald Trump glauben, demonstrierten gemeinsam mit Leuten, die den im Gefängnis sitzenden Wikileaks-Gründer Julian Assange unterstützen, und Datenschützern, die das Covid-Überwachungssystem „Track and Trace“ für bedrohlich halten.

          Es war die bislang größte Demonstration gegen die Corona-Politik der Regierung. Die Polizei befürchtete weitere Verstöße gegen die Auflagen, weil bis Montag Tausende mit illegalen „Raves“ den offiziell abgesagten „Notting Hill Carnival“ feiern wollen. Premierminister Boris Johnson hat den Ende März eingeführten Lockdown mittlerweile gelockert. Allerdings gelten weiterhin Versammlungseinschränkungen, Maskenpflicht und Distanzregeln sowie wechselnde Quarantänebestimmungen für Einreisende. Auch behält sich die Regierung vor, die Bestimmungen wieder zu verschärfen, sofern dies die Infektionszahlen erfordern.

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          Die Kritik an den Schutzauflagen zur Eindämmung des Virus findet auch in bürgerlich-konservativen Kreisen Widerhall. Insbesondere in der sonst regierungsfreundlichen Zeitung „Daily Telegraph“ wird Johnson übertriebene Vorsicht vorgehalten. Eher strengere Regeln fordern hingegen Labour-Politiker und Gewerkschafter. Der Versuch der Regierung, die Briten zur Rückkehr an ihre Arbeits- und Studienplätze zu ermuntern, stößt derzeit vielerorts auf Abwehr.

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