https://www.faz.net/-gpf-9zjz0
Bildbeschreibung einblenden

Demonstrationen wegen Corona : Keiner protestiert wie die Deutschen

Ein Impfgegner demonstriert am Sonntag in Schwerin für die sofortige Abschaffung der Corona-Einschränkungen. Bild: dpa

In Deutschland nehmen die Proteste gegen die angeblich „übertriebenen“ Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie immer mehr zu. Haben die Menschen in anderen Ländern auch so viel Wut? Ein Überblick der F.A.Z.-Korrespondenten.

  • Aktualisiert am
          7 Min.

          In vielen deutschen Städten gehen seit Wochen Menschen auf die Straße, um gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie zu demonstrieren. Es ist eine bunte Mischung aus Bürgern, die um ihre Freiheitsrechte bangen, Impfgegnern, notorischen Merkel-Kritikern, Verschwörungstheoretikern, die dunkle Mächte hinter dem Virus vermuten – und Rechtsextremisten, die die Stimmung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren suchen, wie der Verfassungsschutz warnt. Wie ist die Stimmung in anderen europäischen Ländern? Gehen auch dort so viele Menschen gegen die Einschränkungen auf die Straße? Unsere Korrespondenten geben einen Überblick.

          In Österreich nimmt die Wut zu – auf Kurz

          In Österreich ist der Schulterschluss der Parteien längst Vergangenheit, die Opposition kritisiert lebhaft die Corona-Maßnahmen der „türkis-grünen“ Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Es hat sogar schon einen Rücktritt gegeben: Ulrike Lunacek (Grüne), für Kultur zuständige Staatssekretärin, zog damit vergangene Woche die Konsequenz aus der Kritik an ihrem Vorgehen in der Corona-Krise, das vor allem in der (eigentlich überwiegend Grün-affinen) Kunstszene für Empörung gesorgt hatte. Auf der Straße hat sich diese Stimmung aber noch kaum entladen, und auch in den Umfragen bleiben die Regierungsparteien auf einem Höhenflug. 

          Es gab in den vergangenen Wochen in Wien eine Handvoll Demonstrationen, teils mit einigen hundert Teilnehmern. Eine wurde wegen Nichteinhaltung von Abstandsauflagen durch die Polizei aufgelöst. Am vergangenen Wochenende fand in Klagenfurt eine Demonstration gegen die Politik der Bundesregierung und einen angeblich bevorstehenden „Impfzwang“ statt; es wurden auch Transparente gegen den Mobilfunkstandard 5G und gegen Bill Gates entrollt. Die Demonstration wurde per Auto-Corso mit etwa 350 Teilnehmern in 150 Fahrzeugen abgehalten. Die Polizei meldete keine Zwischenfälle. Vergangene Woche demonstrierten einige hundert Teilnehmer (nach Angaben der Veranstalter 900) vor dem Bundeskanzleramt am Wiener Ballhausplatz. Auch hier sah die Polizei keinen Anlass zum Einschreiten, doch wurde hinterher Kritik – auch durch Regierungsmitglieder – an einem Transparent laut, auf dem es unter Anspielung auf die berüchtigte Auschwitz-KZ-Inschrift hieß „Impfen macht frei“.

          Politisch versucht vor allem die rechte FPÖ die Stimmung dieser Demonstranten aufzugreifen. Sie hat für kommenden Mittwoch eine Kundgebung am Wiener Heldenplatz gegen den „Corona-Wahnsinn“ angekündigt. „Es geht längst nicht mehr um die Gesundheit der Österreicher, es geht nur mehr um den Ausbau der Macht von ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz – koste es, was es wolle“, äußerte der Wiener FPÖ-Landesvorsitzende Dominik Nepp. Die Demonstration sei angemeldet und genehmigt, man werde auf das Einhalten der Vorgaben (etwa Sicherheitsabstände) „besonderen Wert“ legen, hieß es. (löw.)

          Weitere Themen

          Die vermeidbare zweite Welle

          Corona-Krise in Serbien : Die vermeidbare zweite Welle

          Erst kontrollierte Serbien die Pandemie, nun kontrolliert die Pandemie Serbien. In mehreren Städten wurde der Notstand ausgerufen. Die Politik hat sich das allerdings selbst zuzuschreiben.

          Topmeldungen

          Kulissen wie diese am Grundlsee ziehen Urlauber normalerweise in Scharen nach Österreich. 280.000 Menschen leben dort direkt vom Tourismus.

          Tourismus in Österreich : Urlaub nach der „Ischgl-Lektion“

          Ferien in Österreich: Das verspricht Erholung zwischen Bergen und Seen. Doch in der Corona-Krise zeigt das Geschäftsmodell seine Risiken. Warum das Land die Gäste aus Deutschland nun so dringend braucht.

          Trump am Mount Rushmore : Alles auf eine Karte

          Fehlende Empathie oder eiskaltes Kalkül? Amerikas Präsident stempelt die Black-Lives-Matter-Bewegung zur linksfaschistischen Gefahr ab. Bang muss man fragen, wozu er sich angesichts schlechter Umfragewerte noch hinreißen lässt.

          Sommer-Transfermarkt : Eine ganz klare Ansage des FC Bayern

          Mit Leroy Sané gab es einen Millionen-Einkauf. Wie geht es nun weiter beim FC Bayern auf dem Transfermarkt? Karl-Heinz Rummenigge gibt Einblicke in die Münchner Planungen – vor allem mit Blick auf Kai Havertz.
          Das jüdische Leben in Deutschland hat sich gewandelt: Bild vom Richtfest eines jüdischen Campus in Berlin

          Jüdische Studien : Wir stören

          Nach Jahren der Öffnung und Blüte sind die Jüdischen Studien heute wieder Zielscheibe des Antisemitismus. Beobachtungen zu ihrer kurzen Geschichte in Deutschland. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.