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Gesundheit der Premiers : Die englischen Patienten

Boris Johnson dankt am Ostersonntag in einer Fernsehansprache dem Klinikpersonal. Bild: AFP

Der britische Regierungschef Boris Johnson konnte die Klinik verlassen. Schon dessen Vorgänger kämpften mit schweren Krankheiten. Manches wurde geheim gehalten. Ein Premier wurde sogar auf der Bahre aus dem Amtssitz getragen.

          3 Min.

          Nicht nur Boris Johnsons Anhänger, auch viele seiner Gegner bangten mit dem britischen Regierungschef, als er an Covid-19 erkrankte, ausgelöst durch das neuartige Coronavirus. Sie atmeten auf, als Johnson am Donnerstagabend die Intensivstation verlassen durfte und am Ostersonntag auch das Krankenhaus. Zum ersten Mal nahm die ganze Nation Anteil am Überlebenskampf eines Premierministers. Downing Street informiert täglich über den Verlauf der Erkrankung; nichts anderes erwarten die Briten. Dass das früher anders war, zeigt ein Blick in die medizinischen Bulletins ehemaliger Premierminister.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Wie ein Baum wurde Premierminister David Lloyd George von der Spanischen Grippe gefällt. Lloyd George, der zur Mitte des Ersten Weltkriegs die Regierung übernommen hatte, war 1918 in seine Heimatstadt Manchester gereist, um sich dort ehren zu lassen. Kurz nach seiner Ankunft wurde er so rasch krank, dass er die City Hall nicht mehr verlassen konnte. Zwei Wochen lang kämpfte Lloyd George mit Beatmungshilfe um sein Leben, während auf dem Kontinent der Krieg in seine entscheidende Phase ging. Der moribunde Premierminister habe „getobt wie ein Löwe im Käfig“, hieß es. Seine Mitarbeiter spielten den Ernst der Lage herunter, um nicht die Moral der Truppen zu untergraben. Seine Frau Margaret wachte am Krankenbett, nur um nach ihrer Rückkehr selbst an der Grippe zu erkranken. Ähnlich erging es Lloyd Georges Geliebten, seiner 27 Jahre jüngeren Privatassistentin. Alle drei überlebten die Epidemie.

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