https://www.faz.net/-gpf-a93qs

Bald ohne Corona-Schließungen? : Sardinien, Insel der Seligen

Ein Strand in der Ortschaft Buggerru im Süden Sardiniens am 21. August 2020 Bild: Picture-Alliance

Auf Sardinien dürfen Restaurants wieder länger öffnen. Und das soll nur der erste Schritt zu einer neuen Normalität sein. Urlauber brauchen einen negativen Test oder eine Impfbescheinigung.

          2 Min.

          An diesem Montag bekommt die seit November gebräuchliche Pandemie-Landkarte Italiens eine zusätzliche Farbe: Zu Rot, Orange und Gelb kommt Weiß hinzu. Bisher hatte sich keine der zwanzig Regionen und autonomen Provinzen des Landes gewissermaßen eine virusfreie weiße Weste verdienen können. Sardinien hat es jetzt geschafft: Die Insel wird mit Wirkung zum 1. März zur ersten „weißen Zone“ des Landes erklärt und kann wesentliche Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie abwerfen. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass ein Zwei-Wochen-Inzidenzwert von weniger als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner über eine durchgehende Dauer von mindestens drei Wochen festgestellt wird.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Ein „liberi tutti“, die Aufhebung aller Verbote auf einen Schlag, werde es aber nicht geben, warnte Regionalpräsident Christian Solinas am Sonntag in Cagliari. Man müsse vorsichtig bleiben und werde deshalb Schritt für Schritt vorgehen, sagte Solinas. Zunächst dürfen Restaurants bis 23 Uhr Gäste bewirten statt wie bisher nur bis 18 Uhr, Kaffeebars bleiben bis 21 Uhr geöffnet. Der nächste Schritt soll am 8. März erfolgen: Dann dürfen Fitnessstudios, Schwimmbäder und Tanzschulen öffnen. Bald darauf solle dann „die Rückkehr zu der so ersehnten neuen Normalität“ erfolgen, versprach Solinas, der zur rechtsnationalen Partei Lega des früheren Innenministers Matteo Salvini gehört.

          Es kommt nicht nur auf den Inzidenzwert an

          Die Einteilung der Regionen und Provinzen des Landes, aber auch von einzelnen Städten und Gemeinden nach der vierfarbigen Pandemie-Warnskala erfolgt auf der Grundlage von 21 Indikatoren, die Anfang November vom wissenschaftlich-technischen Beirat der Regierung festgesetzt wurden. Mit der Vergrößerung der Zahl der Indikatoren, die in drei Bereiche unterteilt sind, sollte eine differenziertere Erfassung der regionalen und lokalen Gefahrenlagen ermöglicht werden: Statt bei steigenden Infektionszahlen abermals einen nationalen Lockdown für das ganze Land zu verhängen, wie bei der ersten Pandemiewelle von März bis Mai 2020, sollte mit feineren Instrumenten jeweils örtlich reagiert werden können.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Deshalb wurden zu den Fallzahlen und Inzidenzwerten, welche von den Regionen und Provinzen nach Rom gemeldet werden, auch die jeweiligen Test- und Tracing-Kapazitäten sowie schließlich die allgemeine Ausstattung und konkrete Auslastung der medizinischen Einrichtungen herangezogen. Zum Beispiel würde in der armen süditalienischen Region Kalabrien, wo es nur sehr wenig Intensivbetten gibt, die Pandemieampel schon bei geringeren Inzidenzwerten auf Orange oder sogar Rot springen als in der reichen Lombardei im Norden, wo die Kliniken deutlich besser ausgestattet sind und auch mit einer erhöhten Zahl von Neuinfektionen fertig werden würden.

          Die erhoffte erhöhte Genauigkeit bei der Berechnung und Beurteilung des regionalen und lokalen Pandemiegeschehens wurde aber um den Preis der Durchschaubarkeit und Übersichtlichkeit erkauft: Am Ende konnten allenfalls die versammelten Forscher im wissenschaftlich-technischen Beirat in Rom nachvollziehen, warum welcher Region und Provinz diese oder jene Warnfarbe zugeteilt wurde.

          Vorerst kein Sardinien-Urlaub

          Einen Ansturm von Landsleuten, die nach Erholung in Freiheit dürsten, brauchen die Sarden unterdessen nicht zu fürchten. Denn das nationale Verbot des Reisens über die Grenzen der Regionen hinweg bleibt bis mindestens 27. März bestehen. Und Ausländer werden vorerst nur in verschwindend geringer Zahl den Weg nach Sardinien finden. Dennoch kündigte der sardische Gesundheitsminister Mario Nieddu abermals verschärfte Kontrollen an den Häfen und Flughäfen an. In Cagliari erwägt man, nur Reisende mit einem negativen Corona-Test oder einer Impfbescheinigung auf die Insel zu lassen.

          Im vergangenen Sommer hatte die Regierung in Rom ein von der Regionalregierung in Cagliari erlassenes Dekret, wonach die Einreise nur mit einem negativen Corona-Test möglich sein sollte, wegen Verstoßes gegen den Gleichheitsgrundsatz noch außer Kraft gesetzt. Im Sommer stiegen die Infektionszahlen auf der Insel dann deutlich an, die vielen Urlauber vom Festland brachten auch viele Viren mit. Beim zweiten Anlauf, durch strenge Kontrollen und Restriktionen bei der Einreise zu einer Art Neuseeland im Mittelmeer zu werden, könnte Sardinien in diesem Frühjahr und Sommer mehr Glück haben.

          Weitere Themen

          Warten auf Söder

          F.A.Z. Frühdenker : Warten auf Söder

          Der Vorstand der CDU votiert klar für Armin Laschet als Kanzlerkandidat – Söders Reaktion lässt auf sich warten. Annalena Baerbock soll die Grünen zur Kanzlerschaft führen. Und Union und SPD entschärfen die geplante Ausgangssperre. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Der Fall George Floyd : Amerikas Justizwesen ist kaputt

          Die amerikanische Politik bleibt in ihrer Übertreibungsspirale gefangen. Deshalb wird es auch nach dem Mordurteil in Minnepolis nicht zu den Reformen kommen, die das Land so dringend braucht.
          Juve-Boss Andrea Agnelli: Einer der Initiatoren und Befürworter der Super League

          Juve-Präsident Andrea Agnelli : „Verräter, wie Judas“

          Juventus-Präsident Agnelli war einer der Initiatoren der Super League. In Italien wird er heftig angefeindet – und hat sogar Ärger mit dem berühmten Taufpaten eines seiner Kinder. Nun wird bekannt: Das Projekt wird verworfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.