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Terror bei Paris : Vier Festnahmen nach Enthauptung von Lehrer

Ein Polizist am Tatort in Conflans-Sainte-Honorine nordwestlich von Paris Bild: AFP

Das Opfer soll seinen Schülern vor kurzem die Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“ gezeigt haben. Präsident Macron spricht von einem „eindeutig islamistischen Terroranschlag“.

          3 Min.

          Nach der Enthauptung eines Lehrers in der Nähe von Paris sind vier Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Festgenommenen, darunter ein Minderjähriger, seien aus dem Familienkreis des Angreifers, der von Polizisten getötet worden war, hieß es in der Nacht auf diesen Samstag aus Justizkreisen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, es handle sich „eindeutig“ um einen „islamistischen Terroranschlag“.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bei dem Opfer der Tat in Conflans-Sainte-Honorine nordwestlich von Paris handelt es sich um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern vor kurzem die Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ gezeigt haben soll.

          Zur Identität des Täters gab es zunächst sich zum Teil widersprechende Berichte. So berichteten einige französische Medien, bei dem von der Polizei getöteten mutmaßlichen Täter handele es sich um den Vater eines Schülers des Geschichtslehrers. Er habe dem Pädagogen vorsätzlich nachgestellt, um ihn „zu bestrafen“, weil er den Propheten vor den Kindern beleidigt habe. Andere berichteten, der Angreifer sei ein 18 Jahre alter in Moskau geborener Tschetschene gewesen. Bei dem Erschossenen sei nach Angaben aus Justizkreisen ein entsprechendes Ausweisdokument gefunden worden.

          Die Polizei untersuchte nach eigenen Angaben einen Tweet, der ein Foto vom Kopf des Opfers gezeigt haben soll. Der Post ist mittlerweile gesperrt. Es sei nicht geklärt, ob die Nachricht unter dem Foto, in der Präsident Macron als „Führer der Ungläubigen“ bedroht wird, vom Angreifer selbst verschickt wurde.

          Macron besucht Tatort

          Macron berief sofort einen Krisenstab ein und besuchte noch am Freitagabend den Tatort. Dort sagte der sichtlich angeschlagene Präsident: „Einer unserer Mitbürger wurde heute ermordet, weil er lehrte, weil er Schülern die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben lehrte.“ Der Präsident nannte keine Details zum Tatablauf und verwies auf die Staatsanwaltschaft, die sich in einigen Stunden äußern werde. „Ich rufe alle unsere Landsleute auf, zusammenzustehen, vereint zu sein“, so Macron.  „Sie werden damit nicht durchkommen“, sagte er mit Blick auf Gewalt und Terroristen.

          Die Zeitung „Le Parisien“ meldete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen polizeibekannten Gefährder handelte. Seine Polizeiakte trage den Vermerk S für „Sicherheitsrisiko“, hieß es.

          Lehrer wurde offenbar bedroht

          Der Geschichtslehrer soll in den vergangenen Tagen in den sozialen Netzwerken von Eltern bedroht worden sein, die sich an seinem Unterricht zur Pressefreiheit störten. Am 5. Oktober soll ein von muslimischen Eltern geführter Elternverein bei der Schulleitung Beschwerde eingereicht haben, weil der Lehrer „islamophobe“ Ideen im Klassenzimmer verbreite, schrieb „Le Parisien“. Der Fall sei im Bildungsministerium bekannt gewesen. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hatte erst kürzlich angekündigt, den Kampf für Laizität in den Klassenzimmern verstärken zu wollen.

          In Paris läuft gerade der Charlie-Hebdo-Prozess. Noch bis Mitte November müssen sich die Helfer der Terroristen vor Gericht verantworten, die am 7. Januar 2015 in die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ eingedrungen waren. Die Zeitung hatte die Mohammed-Karikaturen zum Prozessauftakt nachgedruckt, was der Lehrer zum Anlass genommen haben soll, sie seinen überwiegend muslimischen Schülern zu zeigen, um sie für die Frage der Meinungs- und Pressefreiheit zu sensibilisieren. Der Lehrer unterrichtete an einer Mittelschule (Collège) in Conflans-Sainte-Honorine. Die beschaulich an der Seine gelegene Stadt war lange durch seinen Bürgermeister, den ehemaligen sozialistischen Premierminister Michel Rocard bekannt.

          Von Polizisten erschossen

          Als die Polizei gegen 17.30 Uhr am Tatort, einem Wohnviertel in Conflans-Sainte-Honorine eintraf, war der Täter noch bei der Leiche des Opfers und bedrohte die Polizeibeamten mit seinen Waffen, bevor er die Flucht ergriff. Laut ersten Angaben soll er über ein Messer und über eine Schusswaffe verfügt haben. Über Twitter warnten die Beamten die Anwohner. Das Viertel wurde weiträumig abgeriegelt. Die Polizisten konnten den mutmaßlichen Täter in der Nachbargemeinde Eragny stellen. Er leistete Widerstand und versuchte die Beamten anzugreifen, so dass diese zu ihren Schusswaffen griffen. Der Angreifer soll nach der Tat „Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Der Mann ist den Schussverletzungen erlegen, wie die Polizei bestätigte. Die Terrorstaatsanwaltschaft ermittelt.

          Innenminister Gerald Darmanin unterbrach eine Reise in Marokko, um zum Tatort zu kommen. Er kündigte die Einrichtung eines Krisenstabs mit Präsident Macron und Premierminister Castex an. Auch Castex wollte sich umgehend nach Conflans-Sainte-Honorine begeben. In der Stadt liegt ein großes Polizeikommissariat, das für die umliegenden sozialen Brennpunktsiedlungen zuständig ist. Zu dem Revier gehört auch eine auf Kriminalität und Islamismus spezialisierte Einheit, die sogenannte Antikriminalitätsbrigade (BAC). Der Bürgermeister von Eragny, Thibault Humbert, lobte das schnelle Eingreifen der Polizei. Der Angriff sei von „entsetzlicher Gewalt“ gewesen. Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, sagte: „Der Islamismus hat uns den Krieg erklärt. Wir müssen ihn mit Gewalt aus unserem Land vertreiben.“

          Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Erst vor einigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ eine Messerattacke gegeben.

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