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Umfrage zu Antisemitismus : Viele junge Deutsche wissen wenig über Holocaust

  • Aktualisiert am

Teilnehmer bei der Solidaritätskundgebung „Berlin trägt Kippa“ im April Bild: dpa

Eine Umfrage des amerikanischen Fernsehsenders CNN in sieben europäischen Ländern zeigt große Wissenslücken beim Thema Holocaust – und dass alte Vorurteile über Juden weiter präsent sind.

          40 Prozent der deutschen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren wissen wenig bis gar nichts über den Holocaust – das ist das Ergebnis einer Umfrage des amerikanischen Fernsehsenders CNN, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Comres befragte der Sender vom 7. bis zum 20. September 7092 Erwachsene in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen, Ungarn, Schweden und Österreich. In jedem Land wurden dabei etwa tausend Personen gebeten, ihren Kenntnisstand zum Thema einzuschätzen. Die Ergebnisse der Studie lassen aufhorchen.

          Nicht nur in Deutschland ist der Wissensstand zum Holocaust in manchen Bevölkerungsgruppen schlecht: In Frankreich gaben 20 Prozent der Befragten an, noch nie vom Holocaust gehört zu haben, unter allen befragten Europäern machte rund jeder zwanzigste diese Angabe. Zudem wurde auch der Anteil der Juden in der Welt stark überschätzt. Jeder Siebte gab an, dass Juden mehr als 20 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten – tatsächlich liegt der Anteil bei unter einem Prozent.

          Auch klassische Stereotype zu Juden, die oft auch Teil von Verschwörungstheorien sind, traten in der Studie zutage. So war etwa ein Viertel der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss in der Finanzwelt hätten. Jeder Fünfte hält den Einfluss der Juden in den Medien und der Politik für zu groß.

          In der Haltung gegenüber dem Staat Israel zeigte sich ein gemischtes Bild. So waren zwar 54 Prozent der Befragten der Auffassung, dass Israel ein Existenzrecht als jüdischer Staat habe. Ein Drittel war jedoch der Meinung, dass Israel den Holocaust zur Rechtfertigung seiner Handlungen nutze. Ein Viertel sagte, dass der Großteil des Antisemitismus im eigenen Land eine Reaktion auf die Handlungen Israels sei.

          Auch Problembewusstsein zeigte sich

          Jedoch zeigte sich in der Studie auch ein Problembewusstsein für Antisemitismus. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Juden in ihren Ländern von rassistischer Gewalt bedroht seien. Die Hälfte ist der Meinung, dass die jeweiligen Regierungen mehr im Kampf gegen Antisemitismus tun sollten.

          Dass solche Wissenslücken über den Holocaust und hartnäckige anti-jüdische Stereotypen in Europa vorhanden sind, bestürzt auch Felix Klein, den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung. Die Ergebnisse der Studie seien „erschreckend“. Um Antisemitismus zu bekämpfen, hält Klein es für wichtig, „das Gedenken an die Shoah wach zu halten und eine lebendige Erinnerungskultur zu fördern“.

          Die Unwissenheit über den Holocaust besorgte auch Vertreter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Studie mache deutlich, dass „viele tief verwurzelte, hasserfüllte antisemitische Ausdrücke in der europäischen Bevölkerung 75 Jahre nach dem Holocaust weiterbestehen“, hieß es in einem Statement der Gedenkstätte.

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