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Clinton zu Hackerangriffe : „Putin war auf mich persönlich wütend“

  • Aktualisiert am

Gibt Putin eine Mitschuld an ihrer Wahlniederlage: die Demokratin Hillary Clinton Bild: dpa

Bisher schwieg Hillary Clinton, nun erklärt die Demokratin den russischen Präsidenten Putin zum Hauptverantwortlichen für die Zehntausenden gehackten E-Mails. Er habe sich an ihr rächen wollen.

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          Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bewertet angebliche russische Versuche einer Wahlbeeinflussung als Angriff auf die Vereinigten Staaten. Clinton erhob schwere persönliche Anschuldigungen gegen Russlands Präsident Wladimir Putin. „Das war nicht nur eine Attacke gegen mich und meinen Wahlkampf“, sagte Clinton der „New York Times“ zufolge bei einem Abendessen mit Wahlkampf-Spendern in New York. „Das ist ein Angriff auf unser Land.“ Auch sei Putin für ihre überraschende Wahlniederlage am 8. November mitverantwortlich.

          Der russische Präsident habe sich mit den Angriffen persönlich an ihr rächen wollen. „Er war persönlich auf mich wütend.“ Er trage ihr nach, dass sie in ihrer Zeit als amerikanische Außenministerin die russische Parlamentswahl 2011 als manipuliert kritisiert habe. „Putin hat mich öffentlich für den Wutausbruch seines eigenen Volkes verantwortlich gemacht“, sagte sie. Russland versuche, mit seinen Cyberangriffen auf Einrichtungen der amerikanischen Demokraten die Sicherheit des Landes zu unterminieren, so Clinton.

          Ebenso sei sich der scheidende amerikanische Präsident sehr sicher, dass die Cyberangriffe auf Geheiß russischer Behördenvertreter geschehen seien. Wie Barack Obama am Freitagabend vor Journalisten sagte, hatte er Wladimir Putin angeblich aufgefordert, die russischen Cyberangriffe einzustellen. Demnach hatte er mit dem russischen Präsidenten im September am Rande des G-20-Gipfels in China gesprochen. „Mein prinzipielles Ziel für diese Wahl war, sicherzustellen, dass sie ohne Haken ablaufen kann“, so Obama.

          Auch Trump schaltet sich ein

          Zuvor hatte Russland hat die Vereinigten Staaten am Freitag aufgefordert, Beweise für den Vorwurf der Beeinflussung der amerikanischen Präsidentenwahl auf den Tisch zu legen. Seit Tagen wird aus amerikanischen Geheimdienstkreisen verbreitet, Russland habe mit Hackerangriffen auf E-Mail-Konten von Personen und Institutionen direkt Einfluss auf die amerikanische Präsidentenwahl genommen. So seien E-Mails aus dem Umfeld Clintons mit dem Ziel veröffentlicht worden, sie und das demokratische System der Vereinigten Staaten zu diskreditieren.

          Für die Hackerangriffe soll Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich verantwortlich sein. Beweise für diese Vorwürfe legten die amerikanischen Behörden bislang allerdings nicht vor. Das sollten sie aber tun oder den Mund halten, sagte ein Sprecher des russischen Präsidialamtes in Tokio am Rande eines japanisch-russischen Gipfeltreffens. Russland hat die Hackerangriffe mehrfach bestritten. Die E-Mails von Clinton und aus ihrem Umfeld wurden auf der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht.

          Am Donnerstag schaltete sich auch der designierte amerikanische Präsident Donald Trump in die Debatte ein. In einer über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Nachricht fragte Trump, warum das Weiße Haus erst so spät reagiert habe, wenn es tatsächlich zu Hackerangriffen von Russland oder anderen Einheiten gekommen sei. „Warum beschwerten sie sich erst als Hillary verloren hatte?“, schrieb Trump weiter.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama forderte bei den Sicherheitsbehörden einen Bericht zu den Vorwürfen an, den er noch vor der Amtsübergabe am 20. Januar präsentieren will. Schon vorher drohte er Russland mit Vergeltungsmaßnahmen. In einem Interview sagte Obama dem Sender National Public Radio, wenn eine ausländische Regierung versuche, die Wahlen in den Vereinigten Staaten zu manipulieren, „dann müssen wir handeln. Und wir werden handeln – zu einer Zeit und an einem Ort unserer Wahl.“ Manches davon könnte offen geschehen und publik gemacht werden, anderes nicht.

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