https://www.faz.net/-gpf-z2pa

CIA-Spion oder Entführungsopfer? : Iranischer Atomphysiker in Washington aufgetaucht

Der iranische Atomphysiker Schahram Amiri in einem Video auf dem Internetportal „Youtube” Bild: Youtube

Gut ein Jahr nach seinem mysteriösen Verschwinden ist der iranische Atomphysiker Amiri wieder aufgetaucht. Iranische Medien berichten, er halte sich in der pakistanischen Botschaft in Washington auf. Umstritten ist, ob Amiri entführt wurde oder sich freiwillig abgesetzt hat.

          Der im Juni 2009 verschwundene iranische Atomphysiker Schahram Amiri ist nach Berichten der staatlichen iranischen Presse in die pakistanische Botschaft in Washington geflohen, die die Interessen Teherans in den Vereinigten Staaten vertritt. Demnach fordere Amiri, nach Iran zurückkehren zu dürfen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Amiri war im Juni 2009 während einer Pilgerreise nach Saudi-Arabien auf dem Weg nach Mekka verschwunden. Iran behauptet, der an der Teheraner Universität Malek Ashtar tätige Atomphysiker sei mit Hilfe des saudischen Geheimdienstes in die Vereinigten Staaten entführt worden. Der amerikanische Fernsehsender ABC hatte im vergangenen März hingegen berichtet, Amiri sei übergelaufen und arbeite nun mit der CIA zusammen. Es wird vermutet, dass Amiri, der auch für die iranische Atomenergiebehörde gearbeitet hatte, über intime Kenntnisse des iranischen Atomprogramms verfügt.

          Entführt oder freiwillig ausgereist?

          Das pakistanische Außenministerium hat bestätigt, dass ein Mann mit Namen Schahram Amiri am Montag gegen 18.30 Uhr Ortszeit die pakistanische Botschaft in Washington betreten habe. Da Washington und Teheran keine direkten diplomatischen Beziehungen unterhalten, vertritt Pakistan die Interessen Irans in den Vereinigten Staaten. Im Flügel der iranischen Interessenvertretung arbeiten mehrere Dutzend iranische Diplomaten, aber keine pakistanischen. Dort soll sich Amiri aufhalten. Umstritten ist, ob Amiri im Juni 2009 entführt wurde oder sich aus Iran freiwillig abgesetzt hat.

          In den vergangenen Monaten hatte sich Amiri mehrfach mit Videos aus den Vereinigten Staaten zu Wort gemeldet. Am 6. April strahlte das staatliche iranische Fernsehen ein Video aus, in dem er behauptet, er sei auf dem Weg nach Mekka von amerikanischen Agenten entführt worden. Vom 14. Juni datiert ein Video ähnlichen Inhalts.

          Zahlreiche Videos über Amiri im Internet

          Im Juni zirkulierten im Internet weitere Videos, die das iranische Fernsehen aufgriff und ausstrahlte. In einem sagte Amiri, er lebe und forsche als freier Mann in Arizona, in den beiden letzten, die über das Internetportal „Youtube“ am 30. Juni verbreitet wurden, dass er „aus den Händen der Agenten des amerikanischen Geheimdienstes“ habe fliehen können und sich nun im Staat Virginia aufhalte. Er fürchte, bald wieder festgenommen zu werden, hoffe aber, in den kommenden Tagen nach Iran zurückkehren zu können.

          Darauf überreichte die iranische Regierung dem Geschäftsträger der Schweizer Botschaft, die in Teheran die Interessen der Vereinigten Staaten vertritt, Anfang Juli Dokumente, die Amiris Entführung beweisen sollen und forderte Angaben über den Verbleib von Amiri.

          Amerikanische Medien zitierten hingegen Mitarbeiter der CIA mit den Worten, wäre der Mann in den Videos der, als der er sich ausgebe, stünden die Vereinigten Staaten in Kontakt mit ihm. Sollte er gegen seinen Willen festgehalten werden, hätte er die Videos, die zirkulieren, nicht produzieren können.

          Weitere Themen

          Tausende protestieren gegen rechte Demo Video-Seite öffnen

          Kassel : Tausende protestieren gegen rechte Demo

          Die Stadt Kassel war vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof mit dem Versuch gescheitert, den Aufmarsch der Rechtsextremen der Kleinstpartei „Die Rechte“ zu verbieten.

          Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer am Samstag beim feierlichen Gelöbnis neuer Rekruten zusammen mit Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Ein Versprechen beim Gelöbnis

          Als Parteichefin hat Kramp-Karrenbauer schwere Wahlkämpfe vor sich. Gleichzeitig will sie ihr Ministerium und die Truppe besser kennenlernen. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Sie verspricht nun, diese ernsthaft anzugehen – und verdient dabei Unterstützung, gerade aus der Bundeswehr.
          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Emanuel Buchmann (vorne) und Thibaut Pinot (Zweiter von vorne) bei der Tour de France

          Tour de France : Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.