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CIA : „Iran könnte Atombombe rasch bauen“

  • Aktualisiert am

Irans Präsident Ahmadineschad hinter einer Rakete bei einer Militärarade im April. Bild: dpa

Iran soll binnen maximal zwei Jahren eine Atombombe bauen können, behauptet der Geheimdienst CIA. Das Land arbeite weiterhin an der Konstruktion von Atomwaffen. Das Unternehmen Total will derweil kein Benzin mehr nach Iran liefern.

          Die CIA ist der Überzeugung, dass Iran „weiterhin“ an der Konstruktion von Atomwaffen arbeitet. Der Direktor des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes Leon Panetta sagte, Iran sei vermutlich in der Lage, innerhalb von maximal zwei Jahren eine Atombombe zu bauen. Dem Sender ABC sagte er, im iranischen Regime werde derzeit diskutiert, ob man die Bombe nun bauen solle. Sobald die Entscheidung dafür gefallen sei, brauchte Teheran wohl ein Jahr, um sein schwach angereichertes Uran hoch anzureichern; das Material reiche für zwei Bomben. Für ein Trägersystem brauche Iran vermutlich "ein weiteres Jahr", sagte Panetta.

          Er ließ offen, ob beide Prozesse - die Anreicherung und die Konstruktion des Sprengkopfs - parallel erfolgen können und Iran dann nur insgesamt ein Jahr benötigen würde. Panettas Äußerungen waren die bisher deutlichste Distanzierung der CIA von der Nationalen Geheimdiensteinschätzung, die Ende 2007 teilweise veröffentlicht worden war. Damals hatten die Dienste gefolgert, Iran habe 2003 seine Bemühungen zum Bau einer Atombombe ausgesetzt.

          Medwedjew besorgt

          Der russische Präsident Medwedjew zeigte sich besorgt. Panettas Informationen „lassen aufhorchen“, sagte er nach Angaben der Agentur Ria Nowosti am Sonntagabend nach dem G-20-Gipfel in Toronto. „Wenn bewiesen wird, was die amerikanischen Geheimdienste sagen, dann wird das die Situation weiter anspannen“, sagte Medwedjew. Der Präsident fügte an: „Ich schließe nicht aus, dass diese Frage noch ergänzend behandelt werden muss.“

          Iranische Demonstranten protestieren in Teheran gegen den französischen Ölkonzern Total.

          Das iranische Außenministerium wies Panettas Äußerungen als „psychologische Kriegsführung“ zurück. Präsident Ahmadineschad sagte am Montag, vor Ende August sei er nicht bereit, in Verhandlungen mit dem Westen einzutreten. Dieser müsse so für seine Sanktionen gegen Iran „bestraft“ werden. In Frankreich teilte unterdessen der Energiekonzern Total mit, er liefere kein Benzin mehr an Iran. Die G-8-Staaten hatten in Kanada vereinbart, die Unternehmen in ihren Ländern zu entmutigen, mit Iran Geschäfte zu machen. Der französische Präsident Sarkozy hatte in Toronto zugegeben, „dass sich dieses Problem noch stellt“.

          Sanktionen könnten Iran „ernste wirtschaftliche Probleme“ bereiten

          Die französische Regierung übte nun offenbar Druck auf Total aus. Dass ein faktisches Verbot, Iran mit raffinierten Ölprodukten zu beliefern, die breite iranische Bevölkerung treffen könnte, wird entgegen früheren Bekundungen nun in Europa in Kauf genommen.

          CIA-Direktor Panetta sagte, die vom UN-Sicherheitsrat und vom amerikanischen Kongress verhängten Sanktionen könnten Iran „ernste wirtschaftliche Probleme“ bereiten, aber das Land „wahrscheinlich nicht“ davon abhalten, eine Bombe zu bauen. Anders als er gingen die israelischen Dienste davon aus, dass die Entscheidung zum Bau der Bombe in Iran schon gefallen sei. Panetta sagte aber, er glaube, dass Israel „bereit ist, uns den Raum zu geben, Iran auf diplomatischem, kulturellem und politischem Wege zu ändern anstatt auf dem militärischen“. Ahmadineschad forderte, die Türkei und Brasilien in Gespräche über einen Tausch iranischen Spaltmaterials gegen Brennstoff für den Teheraner Forschungsreaktor einzubeziehen. Deren jüngste Vermittlungsinitiative war im Westen weithin als zu nachgiebig kritisiert worden.

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