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Christen im Gazastreifen : Kein Besuch von Benedikt

Ostersonntag in Gaza: Zwei palästinensische Jungen singen in der orthodoxen Al-Roum-Kirche Bild: REUTERS

Auf seiner Reise ins Heilige Land wird Papst Benedikt XVI. die christliche Minderheit in Gaza nicht besuchen. Die beschwert sich deshalb über Israel - und hebt die Gemeinsamkeiten mit den Muslimen hervor. Das ist kein Zufall.

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          Leuchter aus Murano-Glas werfen ihr mildes Licht auf den Altarraum, den Gemälde mit Motiven aus dem Leben Jesu zieren. Blitzblank haben die Kirchenschwestern den Boden gescheuert und den Altar mit weißen Blumen geschmückt. Zum Gottesdienst haben die Mütter den kleinen Mädchen Zöpfe geflochten, die Väter tragen ihre besten Anzüge: Die römisch-katholische Kirche zur „Heiligen Familie“ in Gaza wäre ein bescheidener, aber würdiger Ort für einen Papst-Besuch. Mehrmals hat Pfarrer Manuel Musallam Benedikt XVI. in die einzige römisch-katholische Kirche im Gazastreifen eingeladen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aber der Papst wird auf seiner Reise ins Heilige Land hier nicht Station machen. Nachdem das klar war, hat Musallam 250 Ein- und Ausreisegenehmigungen bei den israelischen Behörden beantragt. Wenigstens einige der etwa 3000 palästinensischen Christen aus Gaza sollen den Papst sehen können, wenn er Jerusalem und Bethlehem besucht. Eine Antwort hat Musallam aber bis heute nicht erhalten - und so muss er an diesem Sonntag die gut 50 Gläubigen ein weiteres Mal vertrösten.

          „Es ist unser Recht, nach Jerusalem zu kommen“

          Für den 71 Jahre alten Priester geht es aber dabei nicht nur um eine freundliche Geste der Israelis nach den Schrecken des Gaza-Kriegs. „Es ist unser Recht, dorthin zu kommen. Nicht nur nach Bethlehem, sondern auch nach Jerusalem, wo unser lateinischer Patriarch seinen Sitz hat“, sagt er fast trotzig. Nach der bisherigen Planung sollen die Palästinenser das Kirchenoberhaupt in Bethlehem willkommen heißen, wo die Autonomiebehörde regiert, aber nicht in Jerusalem, das Israel zu seiner Hauptstadt erklärt hat. Musallam will aber nur fahren, wenn die Gruppe aus Gaza, auf deren Liste er auch die Namen von Muslimen gesetzt hat, in beide Städte darf. Denn für ihn ist es in diesen Tagen Nebensache, ob man Christ oder Muslim ist: „Jetzt ist es an der Zeit, Palästinenser zu sein. Wir leiden nicht unter den Muslimen, sondern Christen wie Muslime leiden in Gaza wegen der israelischen Blockade gemeinsam an Hunger und vielen anderen Entbehrungen - zum Beispiel darunter, dass wir nicht nach Jerusalem dürfen.“

          Trotz seiner Enttäuschung darüber, dass Benedikt nicht nach Gaza kommen wird, hat Musallam hohe Erwartungen an den Besuch. Von der „Stimme der Gerechtigkeit“ wünscht er sich klare Worte, würde gerne aus dem Mund des Papstes hören, dass auch die Palästinenser ein Recht auf Freiheit, einen eigenen Staat und die Rückkehr in ihre alte Heimat haben, sagt Musallam vor dem Altar seiner Kirche, unter dem Gemälde, das die Flucht der Familie Jesu nach Ägypten zeigt.

          Nicht einmal das Osterlicht durfte die Grenzen passieren

          Flüchtlinge aus anderen Teilen Palästinas sind auch die meisten Katholiken in Gaza - und für eine Flucht aus Palästina haben sich mittlerweile viele Christen entschieden. Aus Gaza, wo mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung so arm sind, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen können, gibt es dieser Tage aber nicht einmal ein Entkommen nach Ägypten: Nur für wenige Ausnahmefälle haben die Ägypter die Grenze seit dem Krieg geöffnet.

          Unter den gut 200 Katholiken in Gaza hielt sich der Exodus bisher in Grenzen. Unter den Griechisch-Orthodoxen, die mit etwa 2500 die größte Gruppe der Christen stellen, macht sich dagegen Bischof Alexios große Sorgen. „Die Zahl hat zugenommen. Vor allem die Jungen gehen, weil es hier keine Arbeit gibt. Das liegt an der Abriegelung durch Israel. Die ist unser größtes Problem“, klagt der griechische Geistliche. Auf einer Art kleinem Thron empfängt er nach dem Gottesdienst Gemeindemitglieder und Gäste. Empört hat sie alle, dass die hermetisch abgeriegelten Grenzen zu Israel sich vor kurzem nicht einmal für das Osterlicht aus Jerusalem öffneten. Traditionell wird es in der Grabeskirche während des Ostergottesdiensts entzündet und mit Flugzeugen bis nach Amerika geflogen.

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