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In Sydney : Chinesische Kriegsschiffe provozieren Australier

Chinesische Kriegsschiffe vor der Oper von Sydney Bild: Reuters

Der unangekündigte Besuch von drei Schiffen im Hafen von Sydney hatte erst für Aufregung gesorgt. Am Ende gab es jedoch eine unerwartete Wendung, als die Soldaten ihre Schiffe mit Milchpulver beluden.

          Für die meisten Australier war es eine Überraschung, als in der vergangenen Woche drei chinesische Kriegsschiffe in den Hafen von Sydney einliefen. Der Besuch war nicht öffentlich angekündigt. Tagelang wurde er kontrovers diskutiert. Dann nahm die Geschichte aber eine unerwartete Wendung: Es tauchten Bilder auf, die chinesische Marinesoldaten beim Beladen der Schiffe mit Trockenmilchpulver zeigten. Kartonweise schafften die Männer die Produkte der Marken „Aptamil“ und „A2 platinum“ auf die Schiffe. Es war der vorletzte Tag ihres Aufenthalts in der australischen Hafenstadt. Die Soldaten hatten ihn offenbar für eine Einkaufstour genutzt und Dutzende Kartons mit Babynahrung gekauft.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Foto war in der Wochenendausgabe der Zeitung „The Australian“ erschienen. Die Reaktionen reichten von ironisch-alarmistisch („Geheimmission endlich enthüllt: Chinesische Kriegsschiffe auf Baby-Milch-Raubzug“) bis belustigt („Und wir dachten, sie hätten Augen auf unser Eisenerz geworfen“). Der Grund für die Einkaufstour war schnell gefunden. Schon vor Jahren hatte ein Lebensmittelskandal das Vertrauen der chinesischen Verbraucher in einheimische Milchprodukte erschüttert. Seither ist Milchpulver aus australischer, amerikanischer und europäischer Herstellung in China heiß begehrt. Es wird dort sogar für ein Vielfaches des Verkaufspreises angeboten.

          Doch seit einiger Zeit wird in Australien alles, was China unternimmt, mit Argwohn verfolgt. Australien war das erste Land, das den chinesischen Technologiekonzern Huawei von dem Ausbau seiner 5G-Handynetze ausgeschlossen hatte. Im vergangenen Jahr hat Australien außerdem weitreichende Gesetze verabschiedet, mit denen die Versuche der Einflussnahme ausländischer Mächte eingedämmt werden sollen, darunter insbesondere Chinas. Auch die Bemühungen Pekings, die Beziehungen zu den pazifischen Inselstaaten auszuweiten, werden in Australien mit zunehmender Sorge beobachtet.

          Provokative Einfahrt in martialischer Pose

          Und so wurde das Eintreffen der drei Kriegsschiffe mit insgesamt 700 Mann Besatzung, die bei der Einfahrt in den Hafen von Sydney zum Teil auch noch in martialischer Pose, in Kampfanzüge gekleidet und mit Gewehren bewaffnet an Deck gestanden hatten, von vielen Australiern als geradezu provokativ aufgenommen. „Die Schiffe sind am Darling Point und anderen berühmten Plätzen in Sydneys Hafen vorbeigefahren, ohne dass die Menschen vorher informiert waren. Und es waren bewaffnete Soldaten und Seemänner an Deck der Schiffe, die ziemlich aggressiv aussahen“, sagte John Blaxland von der Australian National University dem Sender ABC. 

          Darüber hinaus sorgte auch der Zeitpunkt des Besuchs für Diskussionen. Die Schiffe waren am Abend vor dem 30. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratie-Bewegung vom Tiananmen in Peking in Sydney eingelaufen. Nur wenige Tage vor dem Besuch der Kriegsschiffe war außerdem ein Vorfall zwischen der australischen und der chinesischen Marine im Südchinesischen Meer bekannt geworden. Das australische Kriegsschiff HMAS Canberra war nicht nur von einem chinesischen Marineschiff verfolgt worden. Ein chinesisches „Fischerboot“ hatte außerdem Laser auf eine Helikopter-Besatzung gerichtet, die von dem australischen Kriegsschiff aus gestartet war. Australische Akademiker, die sich an Bord des Schiffes befanden, waren Zeugen des Vorgangs geworden und hatten ihn publik gemacht.

          Beobachter sahen den Besuch der Kriegsschiffe denn auch vornehmlich als Machtdemonstration. Die chinesische Marine habe unter Beweis gestellt, dass sie global operieren kann und zu einer echten Hochseemarine („Blue Water Navy“) geworden ist. Am Ende war es dann aber doch der Milchpulvereinkauf, der zum Schlagabtausch zwischen australischen und chinesischen Medien führte. Die chinesische „Global Times“, die für ihren nationalistischen Ton bekannt ist, warf den Australiern nach ihrer Berichtserstattung eine „Überreaktion“ vor. Es sei normal für die Besatzung eines Marineschiffes, in einem Gastland Souvenirs und lokale Produkte zu erwerben. Der Reporter der Global Times habe schließlich auch schon ausländische Schiffsbesatzungen dabei beobachtet, wie sie bei Besuchen chinesisches Tsingtao-Bier probiert hätten.

          Premierminister Scott Morrison, der zu dem Zeitpunkt auf den Salomon-Inseln weilte, teilte mit, dass die Regierung über den Besuch der Kriegsschiffe informiert gewesen sei. „Wir wussten davon seit einer Weile. Dieses Arrangement ist ein Rückbesuch, weil ein australisches Marineschiff China besucht hatte”, sagte Morrison. Die Marine klärte auf, dass die Öffentlichkeit bei solchen Besuchen nur in manchen Fällen vorab informiert werde. In diesem Fall war die Bevölkerung allerdings im Dunkeln gelassen worden.

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