https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/chinas-grenze-zu-nordkorea-selbst-die-villen-sehen-armselig-aus-1993686.html

Chinas Grenze zu Nordkorea : Selbst die „Villen“ sehen armselig aus

Blicke ins reiche Nachbarland: Einwohner der nordkoreanischen Stadt Sinuiju
          6 Min.

          Nordkorea ist nur einen Sprung aus dem Motorboot entfernt. Es ist so nah, dass sich der chinesische Bootsführer mit einem Mädchen am Ufer in normaler Lautstärke auf Koreanisch unterhalten kann. Die kleine Nordkoreanerin spielt mit einer Plastikflasche im flachen Wasser. „Habt ihr Essen im Boot?“, fragt das Mädchen. Es weiß, dass die Boote manchmal etwas Nahrung mitbringen. „Diesmal leider nicht“, sagt der Fahrer und lenkt das Boot weiter am Ufer entlang. Dort taucht ein Soldat auf, der ein paar dürre Ziegen hütet. Im Hintergrund liegen Felder, auf denen die Bauern Mais anpflanzen. „Ich könnte das nicht aushalten, sie haben nicht einmal genug im Magen“, sagt der Chinese.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die ehemaligen Brudervölker aus China und Nordkorea sind sich in den vergangenen Jahrzehnten fremd geworden. Das ist hier im nordostchinesischen Grenzort Dandong ganz offensichtlich. Dandong ist der Ort, an dem China Handel mit Nordkorea treibt und an dem die chinesischen Touristen einen Blick auf das nordkoreanische Schattenreich werfen können. Von mehreren Anlegestellen bieten die Bootsführer halbstündige Ausflüge über den Yalu-Grenzfluss an. Die Motorboote fahren von chinesischem Territorium aus bis in einen Abschnitt des Flusses hinein, in dem auf beiden Uferseiten Nordkorea liegt. Für 80 Yuan (etwa neun Euro) können die Touristen die Bauern beobachten, die mit Hilfe von Rindern ihre Felder pflügen, sie sehen Militärbaracken und die mickrigen grauen Patrouillenboote der Grenzsoldaten. Näher kann man Nordkorea nicht kommen, ohne die Grenze zu überschreiten.

          „Die hocken 24 Stunden täglich da drin“

          Doch die Lage entlang des Grenzflusses sei politisch derzeit angespannt, wie viele Anwohner in Dandong berichten. Das begann mit der Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffs „Cheonan“, für die einer südkoreanischen Untersuchung nach ein U-Boot aus Nordkorea verantwortlich gewesen ist. Die verschlechterten Beziehungen auf der koreanischen Halbinsel bekamen wie immer auch die chinesischen Grenzregionen zu spüren. Hinzu kam Anfang Juni die Erschießung von drei Chinesen durch nordkoreanische Soldaten auf dem Grenzfluss, nur wenige Kilometer außerhalb von Dandong. Seitdem sei das Mitnehmen von Ausländern eigentlich streng untersagt, berichten die Bootsführer. Der Besucher muss sich deshalb einen breitkrempigen Damenhut aufsetzen und einen Aufpreis zahlen. Fotos könnten nicht gemacht werden, das sei zu gefährlich, sagen die Männer. Sie versichern jedoch, dass dieser Grenztourismus unbedenklich sei. Von den chinesischen Behörden gibt es normalerweise eine Genehmigung; die Nordkoreaner werden bestochen.

          Nordkoreanische Soldaten am Grenzfluss
          Nordkoreanische Soldaten am Grenzfluss : Bild: AP

          Am nordkoreanischen Ufer selbst scheint trotz aller politischen Verwerfungen das Leben normal weiterzugehen, von Anspannung ist erst einmal nichts zu merken. Doch vom Wasser aus zeigt der Bootsführer auf eine Art Höhle an einer höher gelegenen Uferböschung. Darin hätten sich nordkoreanische Soldaten verschanzt, berichtet der Chinese. Nur durch einen schmalen Schlitz kämen Licht und Luft herein. „Die hocken 24 Stunden täglich da drin“, sagt der Mann. „Sie beobachten uns.“ Auch eine kleine militärische Hafenanlage kommt in Sicht, die einst von den Japanern gebaut worden sein soll. Daneben stehen Kasernen. „Den Soldaten geht es etwas besser als dem Rest der Bevölkerung. Aber selbst sie haben nicht einmal Strümpfe zum Anziehen“, sagt der Bootsführer.

          „Villen“ für höhergestellte Militärs

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Als DFB-Direktor mitverantwortlich für die Nationalmannschaft: Oliver Bierhoff

          Nach WM-Debakel in Qatar : DFB und Oliver Bierhoff trennen sich

          Oliver Bierhoff verlässt den Deutschen Fußball-Bund. Der ursprünglich bis in das Jahr 2024 laufende Vertrag mit dem DFB-Direktor wurde vorzeitig aufgelöst. Über die Nachfolge sollen nun die DFB-Gremien beraten.
          Migranten im Oktober 2022 auf den Bahngleisen in der Nähe der Grenze zwischen Serbien und Ungarn.

          EU-Aktionsplan zum Westbalkan : Viel Aktion, wenig Plan

          Die tieferen Ursachen der Migrationswelle über den Balkan haben mit dem Balkan wenig zu tun. Der Aktionsplan der EU-Kommission wird deshalb nicht der letzte gewesen sein.
          Guter Tag für Porsche: VW- und Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke beim Börsengang Ende September in Frankfurt

          Fast Entry : Porsche steigt in den Dax auf

          Eine sehr gute Kursentwicklung seit dem Börsengang lässt die Porsche AG sogleich in den Dax springen. Nur noch zwei Autohersteller auf der Welt sind wertvoller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.