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Chinas Ethnien : Han- und andere Chinesen

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In der Berichterstattung über die Ausschreitungen in Urumtschi fällt vor allem die gewählte Begrifflichkeit auf: Han-Chinesen gegen Uiguren. Aber sind Han-Chinesen andere Chinesen? Und sind Uiguren keine Chinesen? Michael Müller klärt auf.

          In der Berichterstattung über die blutigen Ausschreitungen in Urumtschi fällt vor allem die gewählte Begrifflichkeit auf: Han-Chinesen gegen Uiguren. Aber sind Han-Chinesen andere Chinesen? Und sind Uiguren keine Chinesen?

          Die 1,321 Milliarden Staatsbürger Chinas (Stand 2007) entstammen insgesamt 56 offiziell anerkannten Nationalitäten (minzu). Die Han stellen mit einem Anteil von 92 Prozent die größte Nationalitätengruppe. Die „Nicht-Han“ werden unter dem Begriff „Minderheiten-Nationalitäten“ zusammengefasst, wobei die Zhuang (16 Millionen), Mandschuren (10,7 Millionen), Hui (9,8 Millionen) und Miao (8,9 Millionen) die größten Minderheiten bilden.

          Der Eindruck einer Einheit trügt

          Die nationalen Minderheiten machen zwar lediglich acht Prozent der Bevölkerung aus, bewohnen jedoch gut sechzig Prozent des chinesischen Territoriums. Sie siedeln vorwiegend in den wenig erschlossenen, aber rohstoffreichen Grenzregionen wie der Inneren Monglei im Nordwesten, Tibet im Südwesten und Xinjiang im Westen. Dort lebt die Minderheitengruppe der Uiguren. 8,4 Millionen Uiguren gehören zu den Turkvölkern und sind die fünftgrößte Minderheit in China. Offiziell anerkannten Minderheiten werden in der chinesischen Verfassung besondere Rechte zugestanden, wie ein leichterer Zugang zu höherer Bildung und die Ausnahme von der Ein-Kind-Politik.

          Die Bezeichnung Han geht zurück auf die Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.). Doch der Eindruck einer homogenen Einheit trügt: Im Laufe der Zeit entwickelten sich innerhalb der Han starke regionale Unterschiede hinsichtlich Dialekten, Siedlungsformen, Volkssagen, Kleidung und Ernährung. Als verbindende Identifikationsebene dienen vor allem kulturelle Praktiken in Form traditioneller Feste, die in ganz China begangen werden. Familiäre Bindungen und die gemeinsame Schriftsprache sind weitere wichtige Identitätsstifter.

          In Abkehr zur mandschurischen Fremdherrschaft entwickelte sich die Idee, dass alle Han vom Gelben Kaiser abstammen. Als 1911 der letzte Kaiser stürzte (ein Mandschure), entstand das Konzept einer chinesischen Nation – bestehend aus den „fünf Rassen“: Han, Mandschuren, Mongolen, Tibeter und Muslime. Kleinere regionale Gruppen wurden den Han zugerechnet. Bei der Klassifizierung in separate Nationalitäten legte man die in der Sowjetunion angewandten Kriterien (Sprache, Territorium, Wirtschaft und Kultur) zugrunde. Die Kommunistische Partei propagierte die Idee der Han als homogene Volksgruppe und initiierte immer wieder ethnozentristische Kampagnen: Der „Han-Chauvinismus“ wurde gestützt, lokale Nationalismen unterdrückt.

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