https://www.faz.net/-gpf-a32t3

Angst vor einer Invasion : Wenn Taiwan fällt

Das taiwanische Militär übt für den Ernstfall; hier im Mai 2019. Bild: Reuters

Einen Krieg mit Amerika will China eigentlich nicht riskieren. Doch was, wenn Peking in diesem Herbst eine einmalige Gelegenheit für die Eroberung der Insel wittert?

          6 Min.

          Mal angenommen, Donald Trump verliert die Präsidentenwahl ganz knapp. Er erkennt das Ergebnis nicht an. Es kommt zu einer Verfassungskrise und einem großen Durcheinander. Das könnte auch am anderen Ende der Welt, in China, zu hektischer Betriebsamkeit führen und die Gefahr eines Krieges für eine kurze Phase signifikant erhöhen. „Peking würde darin eine Gelegenheit sehen, die nur alle tausend Jahre wiederkehrt“, sagt Steve Tsang, der Direktor des SOAS China Institute an der University of London. Er meint damit die Gelegenheit, Taiwan einzunehmen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Dazu könnte es Tsang zufolge unter zwei Voraussetzungen kommen. Erstens, wenn China zu der Auffassung käme, dass die Vereinigten Staaten derart politisch gelähmt sind, dass sie Taiwan militärisch nicht zu Hilfe eilen könnten. Zweitens, wenn die Volksbefreiungsarmee rechtzeitig vor der Amtseinführung des nächsten amerikanischen Präsidenten genügend Truppen und Material in der Nähe der Insel zusammenzöge. Bisher gibt es dafür keinerlei Anzeichen. Es ist nur ein Szenario, mit vielen Wenn und Aber. Doch dass solche Gedankenspiele von führenden China-Forschern überhaupt angestellt werden, zeigt, wie fragil der Frieden in der Taiwan-Straße geworden ist.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Passanten mit Mund- und Nasenschutz in Berlins Tauentzienstraße

          Auf Cluster schauen : Zeit für einen Strategiewechsel gegen Corona?

          Viele Gesundheitsämter sind immer noch darauf konzentriert, Einzelkontakte nachzuverfolgen. Die Verbandschefin der Ärzte im Öffentlichen Dienst will einen anderen Weg gehen und Infektionscluster in den Blick nehmen.
          Trump beim Spatenstich mit Foxconn-Vertretern

          Foxconn-Fabrik in Wisconsin : Trump und sein „achtes Weltwunder“

          Amerikas Präsident inszeniert sich gerne als Retter der Industrie. Ein einstiges Vorzeigeprojekt mit Foxconn im Rostgürtel droht nun aber zu scheitern. Auf Trumps Wirtschaftspolitik wirft das ein wenig schmeichelhaftes Licht.
          Ende Juli in Leipzig: Der Immobilienunternehmer Christoph Gröner (zweiter von links) ersteigert das Bild „Der Anbräuner“ von Neo Rauch.

          Kunst und Populismus : In den Feedbackschlaufen des Zorns

          Neo Rauch hat den Kritiker Wolfgang Ullrich in ein Bild verwandelt, das zur Trophäe der neuen Rechten wurde. Ullrichs Buch darüber zeigt, wie in den Kämpfen um Deutungshoheit Kultur, Politik und Ökonomie verschmelzen.