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China : Wo „Hacken“ Volkssport ist

Unverfängliche Bilder findet Google.cn, wenn man dort nach „Tiananmen” sucht Bild:

Internetnutzer in China müssen mit vielen Schwierigkeiten leben. Unliebsame Seiten werden vom Staat gesperrt. Und viele junge „Patrioten“ attackieren Websites in anderen Ländern.

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          Ein paar junge Chinesen haben am Mittwoch Blumen vor dem China-Hauptquartier des Internetkonzerns Google abgelegt. Aus der Geste spricht die typische Art von Galgenhumor der Internetnutzer in China, die täglich mit der strengen Zensur des weltweiten Netzes zu kämpfen haben. Die Firma Google hatte in Amerika auf ihrem Blog mitgeteilt, nach Attacken auf die E-Mail-Konten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten die Ergebnisse der chinesischen Version ihrer Suchmaschine nicht mehr zensieren zu wollen. Wie Google selbst wissen auch die chinesischen Internetnutzer, dass damit die Tage des Unternehmens in China gezählt sein könnten.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Volksrepublik China hat eines der am weitesten entwickelten Systeme zur Zensur und Überwachung des Internets geschaffen, mit dessen Hilfe zahlreiche unliebsame Websites aus dem In- und Ausland blockiert werden. Diese von den Nutzern „Great Firewall“ getaufte Sperre sorgt dafür, dass viele Seiten nicht zugänglich sind und stattdessen lediglich eine Fehlermeldung auf dem Bildschirm erscheint. Blockiert werden ausländische Websites von Menschenrechtlern oder auch der tibetischen Exilregierung des Dalai Lamas. Aber auch das Sozial-Netzwerk Facebook, das Videoportal Youtube und der Kurzmitteilungsdienst Twitter können in China nur mit Hilfe technischer Tricks aufgerufen werden.

          Zwang zur Selbstzensur

          In der Volksrepublik China wird das Internet aber nicht nur mit Hilfe dieser gezielten Sperren zensiert. Schwieriger zu durchschauen ist das System, mit dessen Hilfe die chinesischsprachigen Websites kontrolliert werden, deren Betreiber auch in China ansässig sind. Es beruht vor allem auf dem Zwang zur Selbstzensur. Suchmaschinen müssen sich – wie im Fall von Google – damit einverstanden erklären, die Suchergebnisse zu filtern, um überhaupt eine Lizenz zu bekommen. Auf google.cn findet sich deshalb bei bestimmten Suchbegriffen am Ende der Ergebnisliste stets ein Satz, der darauf hinweist, dass gemäß der örtlichen Gesetze ein Teil der Ergebnisse nicht angezeigt werden könne. Es erscheinen etwa bei der Eingabe des Begriffs „Tiananmen“ in der Bildersuche ganz andere Ergebnisse als bei der amerikanischen Version google.com. Dort sind ganz oben Bilder von der Niederschlagung der Studentenproteste 1989 zu sehen, während auf der chinesischen Website nur hübsche Aufnahmen des Tors zum Himmlischen Frieden auftauchen. Das war auch am Mittwoch zunächst noch so, nachdem Google schon angekündigt hatte, die Suchergebnisse in Zukunft nicht mehr zensieren zu wollen. Sollte Google seine Ankündigung wahr machen, droht wohl die vorübergehende oder permanente Sperrung der Website. Das könnte wiederum nach sich ziehen, dass Google sich ganz aus China zurückzieht.

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