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China und das Klima : Vom Buhmann zum Musterschüler

  • -Aktualisiert am

Wer soll da den Durchblick behalten? Smog in Peking Bild: Reuters

Egal, wie sich Trump zum Pariser Klimaabkommen stellt: Der Wirbel um Amerika nutzt China. Das Riesenreich kann von eigenen Sünden ablenken.

          Im Jahr 2014 erbrachte ein Gipfeltreffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama einen unerwarteten Fortschritt. Washington und Peking verkündeten eine Übereinkunft zum Klimawandel. Die Vereinigten Staaten verpflichteten sich, ihre Emissionen zu reduzieren, China versprach, dass seine Emissionen ab dem Jahr 2030 nicht mehr steigen sollten.

          Die Einigung zwischen Obama und Xi Jinping war trotz der nur vagen Verpflichtung Chinas ein Wendepunkt in den internationalen Bemühungen um den Klimaschutz. Waren doch bis dahin die Differenzen zwischen Amerika und China einer der Gründe dafür, dass die Verhandlungen nicht weiter kamen. Nach dem Scheitern der Kopenhagener Klimakonferenz im Jahr 2009 war Peking noch als Bremser kritisiert worden. In den Jahren danach kam es in der chinesischen Führung zu einem Umdenken, beschleunigt durch eigene Umweltprobleme, etwa die katastrophale Luftverschmutzung, und ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum.

          Enge Zusammenarbeit zwischen China und EU

          Noch immer ist Kohle der wichtigste Energielieferant Chinas, und das Land ist mittlerweile der größte Emittent von Treibhausgasen. Die chinesische Regierung plant aber langfristig die Reduktion der Emissionen und fördert erneuerbare Energien und Atomkraft. Diese Quellen sollen bis zum Jahr 2030 zwanzig Prozent des Energiebedarfs in China decken. Bei der Pariser Klimakonferenz 2015 spielte China eine positive Rolle und ratifizierte das Abkommen im vergangenen Jahr. Das Land hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2030 seine Kohlendioxid-Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Jahr 2005 um 60 bis 65 Prozent zu reduzieren.

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          China hatte Zeit, sich auf eine neue amerikanische Politik in Sachen Klimawandel einzustellen. Schon im Wahlkampf hat Präsident Trump davon gesprochen, dass der Klimawandel eine chinesische Erfindung sei, die nur dazu diene, der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Kurz nach Trumps Amtsantritt forderte der chinesische Präsident Xi Jinping vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos unter internationalem Beifall, dass die mühsam erreichten Ergebnisse des Pariser Abkommens bewahrt werden müssten.

          Bei dieser Haltung, das machte auch Ministerpräsident Li Keqiang am Donnerstag in Berlin und Brüssel deutlich, will die chinesische Regierung unabhängig von der Politik der Vereinigten Staaten bleiben. China stehe zu seiner Verantwortung, sagte Li Keqiang nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beim Gipfeltreffen in Brüssel an diesem Freitag wollen China und die EU ein Signal für den Klimaschutz und das Pariser Abkommen setzen. In einer gemeinsamen Erklärung wollen beide Seiten eine enge Zusammenarbeit beim Ausbau der erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und dem Emissionshandel vereinbaren.

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