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China kontrolliert Videospiele : Kommunistische Zensur im Reich der Fantasie

Ein Mann spielt Ende August 2021 in Shanghai ein Videospiel. Bild: EPA

Die Kommunistische Partei Chinas macht der Games-Industrie mächtig Druck. Ein internes Protokoll, das der F.A.Z. vorliegt, zeigt: Männliche Figuren sollen nicht durch Make-up „verweiblicht“ werden. Homoerotik ist ebenfalls tabu.

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          Der chinesische Parteistaat möchte künftig auch im Reich der Fantasie das Sagen haben. Die Videospielindustrie sieht sich derzeit mit einer Flut neuer Vorschriften konfrontiert. Damit die Entwickler verstehen, dass die Sache diesmal ernst ist, hat der staatliche Branchenverband kürzlich einen Workshop für seine Mitglieder abgehalten. Ein internes Protokoll des Treffens liegt der F.A.Z. vor. „Spiele sind keine reine Unterhaltung mehr“, heißt es darin. Sie hätten eine ähnliche Funktion wie Kunst und beinhalteten Referenzen zur Geschichte, Gesellschaft und zum menschlichen Dasein. Deshalb sei es notwendig sicherzustellen, dass sie die richtigen Werte vermittelten.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Gleich zu Anfang stellt der Workshop-Leiter klar: „Die Auflagen werden immer strikter.“ Die Spieleentwickler sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass die Zensoren tiefgründige Anspielungen nicht verstünden. „Die problematischen Punkte werden nicht übersehen werden.“ Dazu gehören Verweise auf die deutsche und japanische Geschichte. Waffen und Uniformen aus der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft, der japanischen Besatzung und dem Zweiten Weltkrieg sollen nicht gezeigt werden. Die Spiele sollen ihren Nutzern ein „korrektes“ Geschichtsbild vermitteln.

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