https://www.faz.net/-gpf-9vry2

Städte rufen Notstand aus : China verschärft Kampf gegen Coronavirus

Patienten sollen bald in einem eigens errichteten Krankenhaus behandelt werden. Bild: AFP

Ein Notfallfonds von 120 Millionen Euro, ein Fertigkrankenhaus und Mediziner vom Militär: China zieht alle Register, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Selbst das Disneyland in Schanghai bleibt geschlossen.

          3 Min.

          Mehrere Provinzen und Städte, darunter auch Peking und Schanghai, haben nach dem Ausbruch des Coronavirus 2019-nCoV den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Sie sagten Neujahrsfeierlichkeiten ab und schlossen sogenannte Tempelmärkte, die traditionell während der Neujahrsfeiern besucht werden. Teile der Chinesischen Mauer, ein beliebtes Ziel während der Frühlingsferien, sollen von diesem Samstag an für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Auch andere Sehenswürdigkeiten, wie das Disneyland in Schanghai, bleiben geschlossen. In zehn Städten der Provinz Hubei wurde der öffentliche Nahverkehr weitgehend eingestellt, ebenso wie Fernbus- und Zugverbindungen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Die offizielle Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Epidemie stieg am Freitag auf 26. Erstmals wurden Todesfälle außerhalb von Wuhan in den Provinzen Hebei und Heilongjiang gemeldet. Bei 887 Patienten sei das Virus nachgewiesen worden, teilte die nationale Gesundheitsbehörde mit. Zudem gebe es mehr als tausend Verdachtsfälle.

          Um genügend Kapazitäten für Patienten zu schaffen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, soll in Wuhan innerhalb von nur sechs Tagen ein Tausend-Betten-Krankenhaus gebaut werden. Den Bauarbeitern und Ingenieuren wurde dreifaches Gehalt angeboten, wenn sie den Bau in der vorgegebenen Zeit zustande brächten. Bilder der Baustelle zeigten am Freitag Dutzende Kräne auf engstem Raum. Das weckt in China Erinnerungen an die Sars-Epidemie von 2003. Damals wurde innerhalb von sieben Tagen aus Fertigteilen ein ebenso großes Krankenzentrum in Peking gebaut.

          Die Analogie ist kein Zufall: Die Behörden in Wuhan teilten am Freitag mit, dass man dem Pekinger Modell folgen und die damaligen Baupläne verwenden werde. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, in dem Pekinger Krankenzentrum sei damals ein Siebtel aller Sars-Patienten behandelt und ein „Wunder der Medizingeschichte vollführt“ worden. Ziel sei es, die zur Verfügung stehenden Ressourcen besser zu bündeln. Derzeit würden die Patienten in Wuhan in mehr als sechzig verschiedenen Kliniken behandelt. Aus zahlreichen Kliniken wurde berichtet, dass nicht genügend Testkits zur Verfügung stünden, um alle Patienten mit einschlägigen Symptomen auf das Virus zu testen. Einige Kliniken veröffentlichten Hilferufe im sozialen Netzwerk Weibo und baten darum, medizinische Schutzkleidung zu spenden.

          Infizierten Mitarbeitern darf nicht gekündigt werden

          Das Finanzministerium stellte einen Notfallfonds in Höhe von umgerechnet 120 Millionen Euro für medizinische Einrichtungen in der Provinz Hubei bereit, deren Hauptstadt Wuhan ist. Der staatliche Radiosender China Radio International meldete, aus mehreren Städten werde zusätzliches Krankenhauspersonal nach Wuhan entsandt. Der Staatsrat reagierte derweil auf zahllose Berichte von Patienten, die unbehandelt fortgeschickt worden seien. Er richtete eine Internetplattform ein, auf der Bürger Hinweise auf lokale Behörden geben sollen, die „Informationen über die Epidemie verheimlichen“ oder „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle auf unzulängliche Weise durchführen“. Mitarbeiter des Aufsichtsbüros des Staatsrates würden den Hinweisen umgehend nachgehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, hieß es in der Mitteilung. Gleichzeitig gab es Berichte, Ärzte und Pfleger seien angewiesen worden, mit niemandem über ihre Erfahrungen bei der Bekämpfung des Virus zu sprechen.

          Das Verteidigungsministerium gab bekannt, Mediziner des Militärs würden sich am Kampf gegen das Virus beteiligen. Details wurden nicht genannt. Das Arbeitsministerium erklärte, es sei Unternehmen verboten, Mitarbeitern zu kündigen, die aufgrund der Epidemie nicht zur Arbeit erscheinen könnten. Ihnen müssten außerdem ihre Gehälter fortgezahlt werden. Das gelte auch für Personen, die wegen eines engen Kontakts zu Infizierten unter Quarantäne gestellt worden seien.

          Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, dass die chinesischen Behörden Belege für „Fälle der vierten Generation in Wuhan“ vorgelegt hätten, dass das Virus also vom ursprünglichen Verbreiter drei weitere Male von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Nach Angaben von Fachleuten schien das darauf hinzuweisen, dass das Virus ansteckender sei als zunächst gedacht. In Tianjin wurde gemeldet, dass sich zwei Zugbegleiter offenbar bei der Arbeit angesteckt hätten. Die amerikanische und die britische Botschaft in Peking riefen ihre Bürger auf, von Reisen in die Provinz Hubei abzusehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.