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Gipfeltreffen in Washington : China und Amerika buhlen um die Pazifikstaaten

US-Präsident Joe Biden (r) und US-Außenminister Antony Blinken beim Gipfeltreffen in Washington Bild: Reuters

Amerika und China ringen um Einfluss in der Pazifikregion. Präsident Biden versammelte nun mehr als ein Dutzend Vertreter der Inselstaaten in Washington.

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          Joe Biden ließ nichts unversucht und bemühte sogar die Geschichte. Gemeinsam habe man im Zweiten Weltkrieg im Pazifik um die Freiheit gekämpft. Die Vereinigten Staaten und die Inselstaaten hätten zusammengestanden. So müsse dies auch jetzt sein, lautete die Botschaft des amerikanischen Präsidenten, die er an die gut ein Dutzend Staats- und Regierungschefs aus der Region richtete, die sich am Donnerstag im amerikanischen Außenministerium versammelt hatten.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.
          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Ein großer Teil der Weltgeschichte werde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten im indopazifischen Raum geschrieben werden – und die pazifischen Inseln seien eine wichtige Stimme, wenn es darum gehe, die Zukunft zu gestalten, sagte Biden weiter. Deshalb wolle seine Regierung die Beziehungen zu den Pazifikstaaten stärken. Damals Japan, heute China? Biden musste nicht aussprechen, was er meinte. Später lud er die Vertreter zu einem Dinner ins Weiße Haus.

          Die amerikanische Regierung beließ es bei diesem Gipfel mit den pazifischen Inselstaaten nicht bei Symbolpolitik. Pünktlich zu dem Zusammentreffen in Washington veröffentlichte das Weiße Haus eine Pazifik-Strategie – die erste ihrer Art. Mit dieser will Washington seine Interessen in der Region deutlich machen – angesichts eines „erhöhten geopolitischen Wettbewerbs“, wie es in dem 16 Seiten umfassenden Dokument heißt. Die Auswirkungen dieses Wettbewerbs umfassten auch Druck und wirtschaftliche Nötigung durch die Volksrepublik China. Dadurch riskiere Peking, „Frieden, Wohlstand und Sicherheit“ der Region und dadurch letztlich auch der Vereinigten Staaten zu untergraben.

          Die Inselstaaten fühlen sich vernachlässigt

          Konkret beabsichtigt Washington, die Zahl der Auslandsvertretungen in der Pazifikregion von sechs auf neun zu erhöhen. Auch sollen die Strategischen Partnerschaftsvereinbarungen mit den Pazifikinseln Palau, Mikronesien und den Marshall-Inseln, die bald auslaufen, erneuert werden. Nicht zuletzt soll die amerikanische Küstenwache ihre Präsenz in der Region verstärken. 810 Millionen Dollar sollen zudem als Auslandshilfe in die Region investiert werden.

          Blinken hatte schon am Mittwoch, zu Beginn des Gipfels im State Department gesagt, die Zusammenarbeit beruhe auf einer gemeinsamen Vision. Diese sei von der Erkenntnis getragen, dass man nur durch Kooperation die großen Herausforderungen der Gegenwart angehen könne. Zuvörderst nannte er den Klimawandel, der die Region besonders bedroht, aber eben auch die Erhaltung des „freien und offenen Indopazifik“, in dem jede Nation, ganz gleich wie groß oder klein sie sei, das Recht habe, über seinen eigenen Weg zu bestimmen. Damit unterstrich Blinken, dass die neue Strategie die Inselstaaten in ihre Indopazifik-Region aufnimmt.

          Ranghohe Regierungsvertreter hatten zuvor eingestanden, dass die Region in der Strategie, die bisher einen Fokus auf Ost- und Südostasien sowie auf Indien gelegt hatte, von Washington vernachlässigt worden sei. Im Grunde verlor Washington schon mit dem Ende des Kalten Krieges Interesse an der Region. Hoffnungsvoll blickte man lange Zeit auf den riesigen Markt China – und verband damit auch die Erwartung einer mittelfristigen politischen Öffnung. Das ist längst vorbei. Die Biden-Administration hat die Volksrepublik inzwischen zur größten strategischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts erklärt. Die neue Pazifik-Strategie trägt dem Rechnung.

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