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Deeskalation im Himalaya : China und Indien ziehen Truppen voneinander zurück

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Entspannung auf dem Dach der Welt? Am Pangong Tso waren chinesische und indische Truppen miteinander in Konflikt geraten. Bild: AP

Nach einer Reihe militärischer Zusammenstöße mit dutzenden Toten vereinbaren die Außenminister beider Staaten eine „angemessene Distanz“ zwischen ihren Streitkräften.

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          Nach einer Serie von militärischen Zusammenstößen im Himalaya-Gebirge haben sich China und Indien auf Maßnahmen zur Deeskalation ihres Grenzstreits verständigt. Dies teilten beide Regierungen am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Demnach sollen sich unter anderem die Truppen beider Länder in dem umstrittenen Gebiet „so rasch wie möglich“ voneinander zurückziehen.

          Der chinesische Außenminister Wang Yi und sein indischer Kollege Subrahmanyam Jaishankar vereinbarten demnach bei Beratungen in Moskau, dass die Truppen „eine angemessene Distanz“ zueinander halten sollten. Auch sollten sie den „Dialog“ miteinander fortführen und auf eine Beruhigung der Lage hinwirken, hieß es in der Erklärung. Vereinbart worden sei, alle Handlungen zu vermeiden, „die zu einer Eskalation der Situation führen können“.

          Beide Länder haben zehntausende Soldaten in dem umstrittenen Berggebiet in der Region Ladakh stationiert. In dem Konflikt zwischen den beiden Atommächten waren in den vergangenen Monaten bereits dutzende Menschen ums Leben gekommen.

          Ein indischer Armee-Konovi am 1. September unterwegs in der Provinz Kaschmir.
          Ein indischer Armee-Konovi am 1. September unterwegs in der Provinz Kaschmir. : Bild: AP

          Im Juni wurden bei den Konfrontationen 20 indische Soldaten getötet. Auch auf chinesischer Seite gab es Tote, doch nannte Peking keine Opferzahlen. Beide Länder machten sich gegenseitig für die Zusammenstöße verantwortlich. Es handelte sich um den ersten Zwischenfall mit Toten in dem Grenzkonflikt seit mehr als vier Jahrzehnten.

          Am vergangenen Dienstag beschuldigten sich dann beide Länder gegenseitig, abermals Schüsse in dem Grenzgebiet abgegeben zu haben. Das Verteidigungsministerium in Peking erklärte, chinesische Soldaten hätten „Gegenmaßnahmen“ ergriffen, nachdem indische Streitkräfte das Feuer eröffnet hätten. Peking warf Neu Delhi eine „schwere militärische Provokation“ vor.

          Die indische Armee wiederum beschuldigte chinesische Grenzschützer, als Einschüchterungsversuch Schüsse in die Luft abgegeben zu haben. Trotz „der schwerwiegenden Provokation“ hätten die indischen Truppen mit großer Zurückhaltung reagiert, erklärten die indischen Streitkräfte.

          Die Territorialstreitigkeiten belasten die Beziehungen zwischen Indien und China bereits seit Jahrzehnten. Peking beansprucht rund 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets für sich, das sich unter der Kontrolle Neu Delhis befindet. Im Jahr 1962 führten die beiden Atommächte einen kurzen Krieg um die Grenze im Himalaya. 1967 kam es abermals zu tödlichen Zusammenstößen. Vor den aktuellen Vorfällen waren die letzten Schüsse in dem Konflikt 1975 abgefeuert worden.

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