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Muslimische Minderheit : China überwacht Uiguren mithilfe amerikanischer Technik

  • -Aktualisiert am

Eine Gruppe muslimischer Uiguren im chinesischen Kashgar. Bild: dpa

China soll hunderttausende Angehörige der ethnischen Minderheit in Lagern festhalten und dabei auch deren DNA sammeln. Ein amerikanisches Unternehmen lieferte dafür bislang die Technik.

          China hat Millionen von Menschen, die der muslimischen Minderheit der Uiguren angehören, einer großangelegten Überwachungs- und Unterdrückungskampagne unterzogen. Wie die „New York Times“ berichtet, sammelte China DNA-Material der Uiguren – mithilfe von Technik und „Know-How“ aus den Vereinigten Staaten.

          Seit 2016 gibt es immer Berichte über Blutentnahmen in Xinjiang. Der Zeitung zufolge haben chinesische Behördenvertreter die Blutproben als Teil von kostenlosen Gesundheitsuntersuchungen dargestellt. Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua haben rund 36 Millionen Menschen an dem Programm teilgenommen – also mehr als nur die Minderheit den Uiguren.

          Das Technologieunternehmen „Thermo Fisher“ mit Sitz in Massachusetts hat der Zeitung zufolge Geräte an die chinesische Polizei verkauft. Die Ausrüstung würden die Behörden nutzen, um den Aufbau ihrer landesweiten Datenbank mit DNA-Proben voranzutreiben. Die chinesische Polizei, so berichtet die Zeitung, nutze die DNA-Proben der Uiguren, um sie mit DNA-Proben von Menschen aus der ganzen Welt zu vergleichen. Das nötige Material habe China von einem Genetiker der Yale-Universität erhalten.

          Am Freitag kündigte das Unternehmen „Thermo Fisher“ an, die Lieferung von Geräten an die Volksrepublik einzustellen. Ein Firmensprecher sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, als „weltweit führender Partner der Wissenschaft“ müsse sich das Unternehmen damit befassen, „wie unsere Produkte und Dienstleistungen von unseren Kunden genutzt werden – oder genutzt werden könnten“. Obwohl „Thermo Fisher“ in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, handelt es sich um einen Technologieriesen mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Dollar (21,4 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr.

          Die mehr als zehn Millionen Uiguren sind eine turkstämmige muslimische Minderheit und leben mehrheitlich in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Nach offizielle unbestätigten Schätzungen werden bis zu eine Million Uiguren und andere turkstämmige Muslime willkürlich in sogenannten Umerziehungslagern festgehalten und dort politisch und kulturell indoktriniert. In den vergangenen Jahren weitete China zudem die Überwachung der Minderheit massiv aus – auch mit Hilfe modernster Technologie. Peking rechtfertigt sein Vorgehen mit extremistischen Strömungen in Xinjiang und macht die Minderheit der Uiguren für Unruhen und Terroranschläge in China verantwortlich.

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