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Wegen Omikron : China streicht so viele Flüge wie noch nie

Flughafenpersonal am Beijing Capital International Airport Anfang 2022 Bild: dpa

Die Deutsche Handelskammer spricht von einer „Quasi-Einstellung der direkten Flugverbindungen zwischen Deutschland und China“. Das hat mit der sogenannten Stoppschalter-Regel zu tun.

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          Die Lufthansa teilte vor einigen Tagen über ihren chinesischen Weibo-Kanal mit, sie habe ihren Flugplan für China „angepasst“. Das war eine reichlich euphemistische Beschreibung für den Kahlschlag, den die chinesische Luftfahrtaufsicht dem deutschen Unternehmen verordnet hat: Alle Passagierflüge der Lufthansa nach China für diese und die drei nächsten Wochen wurden abgesagt. Für die Zielflughäfen Qingdao und Shenyang gelten die Sperren bis Ende März. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums gibt es derzeit je Woche überhaupt nur noch einen einzigen Passagierflug zwischen Deutschland und China, durchgeführt von der Fluggesellschaft Air China. „Alle weiteren Flüge sind derzeit ausgesetzt“, sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Handelskammer in China spricht von einer „aktuellen zeitweisen Quasi-Einstellung der direkten Flugverbindungen zwischen Deutschland und China“. Der Grund heißt Omikron.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die chinesische Null-Covid-Strategie sieht vor, dass eine Route für zwei bis acht Wochen gesperrt wird, wenn auf einem Flug fünf oder mehr Passagiere nach der Landung positiv auf das Coronavirus getestet werden. China spricht von „Stoppschalter-Regeln“. Sie sind nicht neu, doch mit dem Auftreten der Omikron-Variante hat die Zahl der gestrichenen Flüge einen neuen Rekord erreicht. Seit Anfang des Jahres hat China 22 Flüge deutscher Luftfahrtunternehmen gestrichen, wie das Bundesverkehrsministerium der F.A.Z. auf Anfrage mitteilte.

          Sonderregeln für Sportler

          Obwohl China beteuert, dass die gleichen Regeln auch für chinesische Fluggesellschaften gelten, reagiert Deutschland auf die Sperren mit „reziproken Maßnahmen“. Sprich: Das Luftfahrt-Bundesamt streicht ebenfalls 22 Flüge chinesischer Anbieter bis Ende März. Nach Angaben des chinesischen Dienstleisters Flight Manager wurden im Januar schon mehr als 140 internationale Flugrouten mit Sperren belegt. Das ist der höchste Wert, seit China im Juni 2020 die „Stoppschalter-Regeln“ eingeführt hat. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 529 Sperren.

          Wissen war nie wertvoller

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          Ein Grund dafür, dass so viele Corona-Fälle nach der Landung auftauchen, obwohl alle Passagiere vor dem Einsteigen negative PCR-Tests vorzeigen müssen, ist der höhere Schwellenwert, den China für die Tests anlegt. In Deutschland gilt ein Getesteter von einem CT-Wert von 30 an als nicht mehr infektiös. In China dagegen erst von einem CT-Wert von 40 an. Für die Teilnehmer der Olympischen Spiele hat Peking diesen Wert gerade auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees auf 35 herabgesetzt, damit weniger Athleten betroffen sind. Die Sonderflüge, mit denen die Teilnehmer anreisen, unterliegen den „Stoppschalter-Regeln“ nicht, weil sie die Olympia-Blase nicht verlassen dürfen. Andernfalls könnten die Spiele wohl kaum stattfinden. Auch andere Länder wehren sich mit reziproken Maßnahmen gegen das chinesische Vorgehen.

          Die Vereinigten Staaten warfen China vergangene Woche vor, gegen seine Verpflichtungen aus dem chinesisch-amerikanischen Transportabkommen zu verstoßen. Washington kündigte an, 44 Flüge chinesischer Anbieter von Amerika nach China zu streichen. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington nannte die Maßnahme „sehr unvernünftig“, weil die Präventionsmaßnahmen gleichermaßen auf ausländische und chinesische Fluglinien angewandt würden. Kurioserweise fügte er hinzu: „Wir rufen die amerikanische Seite auf, den normalen Passagierverkehr nicht länger zu unterbrechen und zu beschränken.“ Gegenüber Deutschland, das sich in gleicher Weise verhält, hat Peking sich offiziell nicht so geäußert.

          Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China, beklagt: „Bei den deutschen Unternehmen stocken Entwicklungsprojekte, bleiben Investitionen liegen, und Personalrotationen werden verschoben.“ Die Handelskammer organisiert deshalb eigene Charterflüge für Mitarbeiter deutscher Unternehmen. In die umgekehrte Richtung kann man dagegen weiterhin reguläre Flüge buchen, auch bei der Lufthansa. Auf dem Hinweg werden die Maschinen mit Fracht gefüllt. Auch ohne die Strafsperren hat China die regulären Flugpläne auf ein Minimum begrenzt: Maximal fünf Flüge je Woche je Land sind erlaubt. Vor der Pandemie waren es zwischen Deutschland und China mehr als zehnmal so viele.

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