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China : Putschgerüchte in Peking

  • -Aktualisiert am

Spätestens seit der Absetzung Bo Xilais herrscht ein Machtkampf in der KP. Bild: REUTERS

Seit der Absetzung des Politbüromitglieds Bo Xilai wird in China über einen Machtkampf an der Spitze der Kommunistischen Partei spekuliert. Im Internet sind die Zensoren dagegen eingeschritten.

          Das Gerücht von einem Putsch in Peking schwirrte einen Tag lang durch die chinesische Blogosphäre, bevor die Zensoren es verschwinden ließen. Schüsse sollen nahe dem Regierungssitz Zhongnanhai gefallen sein. Andere Blogs vermeldeten erhöhte Betriebsamkeit am Militärflughafen von Peking. Sogar unscharfe Fotos von Panzerwagen im Zentrum von Peking gab es im Internet, die sich aber als falsch herausstellten, denn sie stammten wohl von einer früheren Übung.

          Ein Regierungssprecher sagte Anfang der Woche, dass es so etwas wie einen Coup in Peking nicht gegeben habe. Doch das beruhigte die Gerüchteküche nicht. Seit der Absetzung von Politbüromitglied Bo Xilai in der vergangenen Woche wird in China über einen Machtkampf in der Führungsspitze der Kommunistischen Partei spekuliert. Da die offiziellen Medien zu dem Thema schweigen (müssen) und es keine offiziellen Nachrichten gibt, blühen die Spekulationen in den Mikroblogs, dem Medium in China, das am meisten Freiheit genießt.

          Das Interesse war so groß, dass jetzt die Zensoren scharf einschritten, dadurch allerdings Gerüchten über merkwürdige Begebenheiten in der Führungselite nur noch mehr Auftrieb gaben. Nach den Meldungen, die jetzt aus dem Netz verschwunden sind, ging es bei der Entscheidung zur Absetzung Bo Xilais um weit mehr als nur seine „rote Politik“ in Chongqing oder die Flucht seines Polizeichefs in das amerikanische Konsulat. Es sollte sein Aufstieg in den Ständigen Ausschuss des Politbüro verhindert werden, weil angeblich zwei der Mächtigen Neun des Ständigen Ausschusses des Politbüros, Zhou Yongkang und Jia Qinling, mit Hilfe des früheren Parteichefs Jiang Zemin vorgehabt hätten, Bo Xilai zum Parteichef zu machen und den bislang für diesen Posten designierten Xi Jinping auszumanövrieren. Nachdem sich aber bei einer Politbüro-Sitzung die Gegner Bo Xilais, allen voran Ministerpräsident Wen Jiabao und Parteichef Hu Jintao durchgesetzt und seine Absetzung beschlossen hätten, seien nun Bo Xilais Freunde unter Druck. Als dann am Freitag Zhou Yongkang nicht zu einer Konferenz erschien, bei der seine Anwesenheit eigentlich nötig gewesen wäre, sondern nur ein Grußschreiben schickte, fragten sich viele, ob nun Zhou Yongkang der nächste sei, der seinen Hut nehmen müsse.

          „Es weht ein heftiger Wind in Peking“

          Die Gerüchte ziehen durchs Internet, die Zensoren ziehen hinterher. Als erstes brachte das Wort „Coup“ keine Suchergebnisse mehr auf den Blogseiten. Und auch die Suche nach dem Namen Bo Xilai erbringt nur den Hinweis, dass es aufgrund gesetzlicher Bestimmungen keine Ergebnisse zu diesem Suchbegriff gebe. Mittlerweile wird man auf den Blogseiten auch beim Stichwort Jia Qinling nicht mehr fündig. Und selbst die Meldung, nach der Zhou Yongkang nicht persönlich bei der Konferenz erschienen war, verschwand von offiziellen Internetseiten. Chinas findige Blogger, die für von der Zensur gesperrte Suchbegriffe phantasievolle Ersatznamen einsetzen, konnten bald selbst auch diese nicht mehr benutzen.

          Dafür blühen jetzt andere Gerüchte. So wurde ein Autounfall in Peking mit einem Ferrari zum inoffiziellen Politikum, weil sich per Blog verbreitete, der junge Fahrer, der zu Tode kam, sei ein unehelicher Sohn eines Parteiführers gewesen. Selbst das Wort „Ferrari“ bringt jetzt keine Ergebnisse mehr. Einer von Chinas einflussreichen Bloggern, der Unternehmer Pan Shiyi, schrieb am Freitag über das Wetter: „Es weht ein heftiger Wind in Peking“.

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