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China : Neue Unruhen in Xinjiang

Unruheherd: In der Stadt Kaschgar in Xinjiang hat es am Wochenende Tote gegeben - das Bild zeigt chinesische Soldaten beim Marsch durch die Stadt am 10. Juli Bild:

Mindestens 15 Menschen sind bei Explosionen und Messerattacken in der chinesischen Stadt Kaschgar getötet worden. Weitere 38 Menschen werden verletzt. Die Hintergründe sind bislang unklar.

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          Die chinesische Region Xinjiang ist wieder zum Schauplatz schwerer Gewalttaten geworden. Am Samstag und Sonntag kamen bei mehreren Explosionen sowie Auto- und Messerattacken mindestens 15 Menschen ums Leben, darunter auch einige der mutmaßlichen Täter. Den Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua nach wurden bei den Bluttaten in der im äußersten Westen Chinas gelegenen Stadt Kaschgar außerdem mindestens 38 Menschen verletzt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Da es in Xinjiang immer wieder zu Anschlägen und blutigen Auseinandersetzungen kommt, wird sie als chinesische „Unruheregion“ bezeichnet. Die Pekinger Führung sieht dort „Separatisten“ am Werk, die die muslimische Minderheit der Uiguren zu Unabhängigkeitsbestrebungen anstachelten. Viele Uiguren fühlen sich von den Pekinger Machthabern und der han-chinesischen Mehrheitsbevölkerung politisch, sozial und religiös unterdrückt.

          Wie schon bei früheren Meldungen über derartige Ereignisse sind die Hintergründe der Taten vom Wochenende jedoch äußerst unklar. Den Berichten der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur zufolge soll es am Samstagabend in Kaschgar zunächst eine Explosion an einem Kleintransporter gegeben haben. Gut eine Stunde später erschütterte eine zweite Explosion einen Markt mit Essensständen. Etwa zur gleichen Zeit hätten zwei Verdächtige einen Lastwagen in ihre Gewalt genommen, berichtete Xinhua weiter. Die beiden Personen hätten den Fahrer des Lastwagens erstochen und das Auto dann in eine Menschenansammlung gesteuert.

          Danach seien sie aus dem Wagen gesprungen und mit Messern auf die Passanten losgegangen. Bei der Attacke sollen insgesamt sieben Personen getötet worden sein. „Überall waren Schreie und Blut“, zitierte Xinhua einen Augenzeugen. Ein Verdächtiger kam ebenfalls ums Leben. Am Sonntag seien bei einem „Gewaltausbruch“ dann drei Passanten erstochen und vier Täter von der Polizei erschossen worden. Vier Verdächtige seien geflüchtet. Erste Berichte einer dritten Explosion am Sonntag blieben allerdings zunächst ungeklärt.

          Mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten?

          Die Gewalttaten ereigneten sich knapp zwei Wochen, nachdem in der Stadt Hotan nach offiziellen Angaben 14 „Aufrührer“ erschossen worden waren. Sie waren in eine Polizeistation gestürmt und hatten vier Menschen getötet. Die Behörden sprachen danach von einem terroristischen Anschlag. Doch wurden die offiziellen Berichte von uigurischen Exil-Organisationen in Zweifel gezogen. Sie werfen den Behörden vor, mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorzugehen. Der in München ansässige uigurische Weltkongress kritisierte auch das Verhalten der Behörden in Kaschgar. Die Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt und zahlreiche Menschen festgenommen worden. Xinhua berichtete, dass die Straßen von Kaschgar am Sonntag nach den Ereignissen „menschenleer“ gewesen seien.

          Die neuen Gewalttaten ereigneten sich gut zwei Jahre nachdem in der Regionalhauptstadt Urumtschi bei schweren Ausschreitungen nach offiziellen Angaben 200 Menschen getötet worden waren. Seither haben die Behörden die Repression in der Region noch verschärft. Parallel zu dem Kampf gegen politische Widerständler hat die Zentralregierung aber auch ihr wirtschaftliches Aufbauprogramm für die Region intensiviert. Sie erhofft sich, dass die widerspenstige Uigurenregion durch wirtschaftliche Entwicklung und zunehmenden Wohlstand befriedet werden kann.

          Eines der ökonomischen Zentren soll Kaschgar werden. Dort soll eine Wirtschaftszone entstehen, die sich das Modell der südchinesischen Stadt Shenzhen zum Vorbild nimmt. Kaschgar ist das Herz der uigurischen Kultur und gilt auch als Zentrum der Widerstandsbemühungen gegen die Pekinger Herrschaft. Für Unmut sorgte unter anderem der Abriss weiter Teile der historischen Altstadt. Vor drei Jahren waren in Kaschgar bei einem schweren Angriff auf eine Polizeistation 16 Angehörige der Grenzpolizei getötet worden.

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