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CSIS-Studie : Kriegssimulation: China würde Angriff auf Taiwan wohl nicht gewinnen

  • Aktualisiert am

Taiwanische Soldatenbei einer Übung am 6. Januar in Chiayi Bild: AFP

Überraschendes Ergebnis von 24 Simulationen möglicher Kriegsverläufe: Im Fall eines Angriffs Chinas würde Taiwan „in den meisten Szenarien als demokratisch und unabhängig bestehen bleiben“, ergab eine Studie.

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          Eine Invasion Taiwans würde für China wohl nicht mit einem Sieg enden und erhebliche Verluste für alle Kriegsparteien zur Folge haben. Das ist das Ergebnis eines am Montag veröffentlichten Berichts des Zentrums für internationale und strategische Studien (CSIS) in Washington. Laut dem Bericht, der auf 24 Kriegssimulationen basiert, würde Taiwan im Falle eines Angriffs Chinas „in den meisten Szenarien als demokratisch und unabhängig bestehen bleiben“. Der zu zahlende Preis wäre jedoch für alle beteiligten Staaten enorm hoch.

          Wörtlich hieß es in dem Bericht: „Die Vereinigten Staaten und Japan verlieren Dutzende Schiffe, Hunderte Flugzeuge und Tausende Soldaten. Solche Verluste würden die globale Position der USA für viele Jahre schädigen.“

          Die Chinesen würden demnach in den meisten der durchgeführten Simulationen zwei US-Flugzeugträger versenken. Zudem müssten die Vereinigten Staaten zwischen zehn und 20 weitere Kriegsschiffe als Verlust verkraften. 3200 amerikanische Soldaten könnten den Szenarien zufolge innerhalb von nur drei Wochen getötet werden.

          FDP-Delegation in Taiwan

          Weiter hieß es, Taiwans Streitkräfte würden zwar nicht vollständig bezwungen, jedoch stark geschwächt werden. Sie müssten eine Insel verteidigen, auf der die Grundversorgung zusammengebrochen wäre. Für China hätte eine Invasion demnach jedoch noch weitaus größere Verluste zur Folge. Nicht nur würde der Angriff scheitern. Rund 10.000 chinesische Soldaten könnten der Simulation zufolge fallen und Zehntausende in Kriegsgefangenschaft geraten, so der CSIS-Bericht. Zudem würde die Volksbefreiungsarmee laut der Schätzung 155 Flugzeuge und 138 Kriegsschiffe verlieren. Die Marine des Landes würde „in Trümmern liegen“.

          Unterdessen warnte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei ihrem Besuch in Taiwan davor, die militärischen Drohungen Chinas gegen die Insel zu unterschätzen. „Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist ein riesiger Weckruf gewesen“, sagte Strack-Zimmermann am Dienstag nach einem Treffen der FDP-Abgeordnetendelegation mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen in Taipeh. „Wir sind in tiefer Freundschaft hier und stehen gemeinsam gegen militärische Drohungen Chinas“, fügte Strack-Zimmermann hinzu.

          FDP-Parlamentsgeschäftsführer Johannes Vogel warnte die Volksrepublik vor einem militärischen Vorgehen gegen Taiwan. „Jeder Versuch, den gegenwärtigen Zustand durch Gewalt oder der Androhung damit ändern zu wollen, ist inakzeptabel“, sagte Vogel nach dem Treffen mit Präsidentin Tsai. „Der Besuch ist eine Geste der Solidarität gegen jede Drohung mit militärischer Aggression.“

          Der viertägige Besuch der FDP-Delegation auf der Insel hatte zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Deutschland und Peking geführt. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als abtrünniges Gebiet, sie lehnt Besuche ausländischer Abgeordneter in Taiwan grundsätzlich ab und bezeichnet sie als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten. Der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin hatte den Besuch der FDP-Delegation am Montag in scharfen Worten verurteilt.

          Taiwans Präsidentin Tsai hingegen dankte den FDP-Abgeordneten bei dem Treffen für ihr „Zeichen der Solidarität gegenüber autoritärem Expansionismus“, hieß es aus Delegationskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die FDP-Delegation war am Montag in Taiwan eingetroffen, sie bleibt noch bis Donnerstag.

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