https://www.faz.net/-gpf-9ybc2

Unternehmer über Staatschef : Xi Jinping, ein Clown ohne Kleider?

Ein Plakat mit einem Portrait von Staats- und Parteichef Xi Jinping in einer Straße in Schanghai. Bild: Reuters

Mit scharfer Kritik an der Führung hat sich Ren Zhiqiang einen Namen gemacht. Nun ist er mit einem Vergleich zu weit gegangen: Die Partei geht gegen ihn vor.

          1 Min.

          Xi Jinping beim Namen genannt hat er nicht. Aber indirekt hat der frühere Manager Ren Zhiqiang den Staats- und Parteichef im März als „Clown“ bezeichnet – in einem kritischen Essay über den Umgang der chinesischen Führung mit der Corona-Epidemie. Genauer gesagt, als Clown, „der keine Kleider anhat und trotzdem fest entschlossen ist, den Kaiser zu spielen“. Kurz darauf berichteten Ren Zhiqiangs Freunde, dass er verschwunden sei. Am Dienstagabend wurden ihre Befürchtungen bestätigt: Die Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei teilte mit, dass gegen den 69 Jahre alten Ren wegen „ernster Verstöße gegen Gesetz und Disziplin“ ermittelt werde. Wie in solchen Fällen üblich, wurde geheim gehalten, wo er festgehalten wird.

          „Vom Anfang bis zum Ende nur Lügen“

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der frühere Chef eines staatlichen Immobilienkonzerns entstammt einer einflussreichen Familie, ist seit Jahrzehnten Parteimitglied und pflegte früher enge Kontakte zur obersten Riege der chinesischen Führung. Er ist oft als scharfer Kritiker der Regierung in Erscheinung getreten, fand aber bei den Mächtigen häufig offene Ohren für seine Reformvorschläge. Vor vier Jahren wurde sein Konto im sozialen Netzwerk Weibo gesperrt, nachdem er Xi Jinpings Forderung, die Medien müssten der Partei dienen, scharf kritisiert hatte. Bis dahin hatten Millionen Leser regelmäßig Ren Zhiqiangs Meinungsbeiträge auf Weibo verfolgt.

          Der frühere chinesische Manager Ren Zhiqiang, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2012.

          Sein aktueller Essay wurde über Freunde in sozialen Netzwerken verbreitet. Darin kritisiert er eine Rede Xi Jinpings über den Kampf gegen das Coronavirus vom 23. Februar. In ihr sehe er „vom Anfang bis zum Ende nur Lügen“, schreibt Ren. Die mangelnde Bereitschaft, die Ursachen und Fakten der Krise zu benennen, Verantwortung für die anfängliche Vertuschung des Ausbruchs zu übernehmen und den Medien eine wahrhaftige Berichterstattung zu erlauben, sei ein Symptom für ein „ernsthaft krankes politisches System“. Die geheuchelte Begeisterung, mit der anschließend in der Partei über die Rede gesprochen worden sei, sei ihm vorgekommen wie ein Rückfall in die Zeit des Großen Sprungs nach vorn, „als alle ihre roten Fahnen schwenkten, ihre ,kleinen Roten Bücher‘ hochhielten“ und Mao huldigten. „Der Kaiser kann sich selbst vormachen, dass er Kleider trägt, aber selbst Kinder wissen, wenn der Hintern des Kaisers nackt ist“, schrieb Ren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.