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China in Afghanistan : Harmonie in der Halle des Volkes

  • -Aktualisiert am

Nato-Staaten abwesend: Putin, Ahmadineschad (Iran), Hu, Nasarbajew (Kasachstan), Karzai (von links) am Donnerstag in Peking Bild: REUTERS

Wenn Amerika Afghanistan verlässt, will sich China dort engagieren – und mit ihr die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit: Das Antiterrorbündnis entwickelt wirtschaftliche Kooperation.

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          Während Chinas Beziehungen zu seinen südlichen und östlichen Nachbarn durch Gebietsstreitigkeiten belastet sind, blühen die Beziehungen zu den nordwestlichen Nachbarn – auch dank chinesischer Großzügigkeit. Beim Gipfeltreffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit hat Gastgeber China am Donnerstag Kredite in Höhe von zehn Milliarden amerikanischen Dollar versprochen, die vor allem den ärmeren zentralasiatischen Staaten zukommen werden.

          China streckt auch seine Hand nach Afghanistan aus. Wenn die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten ihre Kampftruppen vom Hindukusch abziehen, stehen die Volksrepublik und die Schanghaier Organisation bereit, sich dort zu engagieren. China werde eine Rolle bei dem friedlichen Wiederaufbau Afghanistans spielen, kündigte Chinas Staatspräsident Hu Jintao beim Pekinger Gipfel an. Stolz vermeldete er in Anwesenheit des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, dass Afghanistan jetzt auch einen Beobachter-Status bei der Schanghaier Organisation hat. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Führung in Peking am Bau einer Gas-Pipeline von Turkmenistan durch Afghanistan interessiert ist.

          In Pekings Großer Halle des Volkes waren die Staatsoberhäupter der sechs Mitgliedstaaten, ihrer zwei „Dialogpartner“ und vier Beobachterstaaten versammelt. Dass die Schanghaier Organisation unter Ausschluss des Westens stattfindet, zeigte sich schon allein in den Beschriftungen. Während sonst bei internationalen Konferenzen in Peking Chinesisch und Englisch benutzt werden, sah man bei diesem Gipfel nur chinesische und russische Schriftzüge.

          Keine Einmischung in innere Angelegenheiten

          Das trägt der Tatsache Rechnung, dass Russland und China die Vormächte in dieser Organisation sind und bislang nur die ehemaligen Sowjetrepubliken Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan ihre Mitglieder sind. Es ist aber auch ein Zeichen des Zusammenrückens jener, welche die „Hegemonie“ der Vereinigten Staaten kritisieren.

          Es war dann auch kein Zufall, dass der russische Staatspräsident Wladimir Putin seinen ersten Staatsbesuch in China vor das Gipfeltreffen legte und er und die chinesische Führung Gelegenheit hatten, auch über ihre Pläne für die Schanghaier Organisation zu beraten. Trotzdem wollen sich China und Russland keineswegs den Anschein geben, dass sie die Organisation bestimmen. Vielmehr soll sie als ein Modell einer „multipolaren Welt“ stehen, wie sie von China als Gegenmodell zu einer von den Vereinigten Staaten dominierten Welt angestrebt wird. Die Schanghaier Organisation lehnt jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten ihrer Mitgliedstaaten ab, sagte Hu Jintao.

          Die chinesischen Gastgeber bestritten, dass die Schanghaier Organisation auf dem Weg sei, eine „asiatische Nato“ zu werden. Zwar wachse die Gruppe und ihre Anziehungskraft, doch man sei eben kein Militärbündnis, wurde in Peking hervorgehoben. Auch gegen den Vorwurf, dass man „anti-westlich“ sei, verwehrten sich die chinesischen Kommentatoren. Die Organisation richte sich gegen niemanden und sei keine Herausforderung für die Nato.

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