https://www.faz.net/-gpf-a3a0z

Chinas mongolische Minderheit : Bis die Propaganda kommt

Mongolen am Mausoleum von Dschingis Khan Bild: Friederike Böge

In der Inneren Mongolei herrscht Unmut über die neue Sprachenpolitik Pekings. Doch der Propagandaapparat will nicht, dass das nach außen dringt – und versucht, Interviews mit ausländischen Medien zu verhindern. Ein Ortsbesuch.

          4 Min.

          Die Lehrerin ist gerade dabei, zu erklären, warum sie gegen die neue Sprachenpolitik der chinesischen Regierung ist, als zwei Autos neben ihr auf der Straße halten. Fünf Personen eilen in ihre Richtung. „Interviews sind nicht erlaubt“, sagt ein Mann, der sich als stellvertretender Leiter der lokalen Propagandaabteilung vorstellt. Doch die Frau, die der mongolischen Minderheit angehört, lässt sich nicht einschüchtern. „Das ist kein Interview, wir plaudern nur“, sagt sie. „Aber das ist eine Journalistin“, erwidert der Mann. „Journalisten sagen die Wahrheit“, sagt die Frau trotzig und fügt hinzu: „Um ehrlich zu sein, wir unterstützen eure Politik nicht.“

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der Mann von der Propaganda versucht es mit einer anderen Strategie. „Die Journalistin hat keinen Corona-Test gemacht. Mit ihr zu sprechen ist gefährlich.“ Die fünf Leute haben die Frau inzwischen umrundet und drängen sie in den Hintergrund. Das Gespräch ist beendet.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ende Juli in Leipzig: Der Immobilienunternehmer Christoph Gröner (zweiter von links) ersteigert das Bild „Der Anbräuner“ von Neo Rauch.

          Kunst und Populismus : In den Feedbackschlaufen des Zorns

          Neo Rauch hat den Kritiker Wolfgang Ullrich in ein Bild verwandelt, das zur Trophäe der neuen Rechten wurde. Ullrichs Buch darüber zeigt, wie in den Kämpfen um Deutungshoheit Kultur, Politik und Ökonomie verschmelzen.

          Ruth Bader Ginsburgs Tod : Eine Katastrophe für Joe Biden

          Bestätigen die Republikaner noch vor der Wahl einen neuen Richter, verändern sie das Land auf lange Zeit. Warten sie ab, spornen sie konservative Trump-Kritiker zu dessen Wiederwahl an. Und damit enden die Sorgen der Demokraten noch nicht.
          Passanten mit Mund- und Nasenschutz in Berlins Tauentzienstraße

          Auf Cluster schauen : Zeit für einen Strategiewechsel gegen Corona?

          Viele Gesundheitsämter sind immer noch darauf konzentriert, Einzelkontakte nachzuverfolgen. Die Verbandschefin der Ärzte im Öffentlichen Dienst will einen anderen Weg gehen und Infektionscluster in den Blick nehmen.