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Tibet : China droht mit „Kampf auf Leben und Tod“

  • Aktualisiert am

Berittene Tibeter, die in eine chinesische Grenzstadt einfielen Bild: AFP

Peking hat den Ton im Tibet-Konflikt deutlich verschärft, ausländische Medien kritisiert und will hart gegen die Anhänger des Dalai Lamas vorgehen. Das religiöse Oberhaupt der Tibeter sei ein „Wolf in der Kleidung eines Mönches, ein Teufel mit dem Gesicht eines Menschen“.

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          China hat den Ton im Tibet-Konflikt deutlich verschärft und angekündigt, hart gegen die Anhänger des Dalai Lamas vorzugehen. Der tibetische Kommunistenchef Zhang Qingli bekräftigte am Mittwoch die Vorwürfe gegen das religiöse Oberhaupt der Tibeter und nannte ihn „einen Wolf in buddhistischem Mönchsgewand“. Zhang sagte, der Dalai Lama sei „ein böser Geist mit menschlichem Antlitz und dem Herzen einer Bestie“.

          „Wir befinden uns mitten in einem heftigen Kampf aus Blut und Feuer, einem Kampf auf Leben und Tod mit der Clique des Dalais“, sagte Zhang, der sich zugleich dafür aussprach, die politische Kontrolle in Tibet zu intensivieren. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte bereits am Dienstag dem Dalai Lama vorgeworfen, die Unruhen angezettelt zu haben. Die chinesische Regierung wirft dem Friedensnobelpreisträger vor, die Proteste von langer Hand vorbereitet zu haben und die Olympischen Spiele sabotieren zu wollen.

          Bei den Ausschreitungen kamen nach offiziellen chinesischen Angaben 13 „unschuldige Zivilisten“ ums Leben. Die tibetische Exil-Regierung spricht von 99 Toten. Der Dalai Lama bestreitet die chinesischen Vorwürfe, Drahtzieher der Unruhen zu sein und hat beide Seiten zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Bei einem Teffen mit Aktivisten, die einen Marsch von Dharamsala nach Lhasa organisieren wollten, forderte er Zurückhaltung. Der Marsch soll aufgegeben werden, da Zusammenstöße mit chinesischen Soldaten nicht auszuschließen seien.

          Die Reiter attackierten Regierungsgebäude
          Die Reiter attackierten Regierungsgebäude : Bild: AFP

          Polizei: Mehr als 100 Demonstranten stellen sich

          Bei der andauernden Verhaftungswelle nach den schweren Ausschreitungen in Lhasa sind nach Augenzeugenberichten bisher schon mehr als tausend Tibeter festgenommen worden. Nach den Unruhen sollen sich nach chinesischer Darstellung 105 Aktivisten der Polizei ergeben haben. Diese hätten sich an gewaltsamen Ausschreitungen beteiligt, geplündert oder Gebäude in Brand gesetzt, hieß es in einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Gegen sie werde jetzt juristisch vorgegangen. Die Regierung hatte am Sonntag erklärt, dass alle Teilnehmer an den Protesten, die sich bis Montag freiwillig stellten, mit Milde rechnen könnten. Alle anderen sollten hart bestraft werden.

          Die Gewaltwelle nahm in der vergangenen Woche ihren Anfang anlässlich des 49. Jahrestages des fehlgeschlagenen Aufstands gegen die chinesische Besetzung. Die Proteste gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet weiteten sich derweil aus und forderten weitere Menschenleben.

          Tote auch anderen chinesischen Provinzen?

          Die chinesischen Streitkräfte und die Polizei verstärkten ihre massive Präsenz in Tibet und angrenzenden Provinzen, in denen mehr als die Hälfte der 5,4 Millionen Tibeter leben, weiter. Die tibetischen Gebiete in den Nachbarprovinzen, wurden für Ausländer gesperrt.

          In Kardze in der Provinz Sichuan hätten chinesische Sicherheitskräfte am Dienstag das Feuer auf eine Gruppe von Demonstranten eröffnet und mindestens drei Teilnehmer getötet, berichtete das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie aus Indien. Nach Protesten in Aba in der Provinz Sichuan, wo mindestens 20 Tibeter erschossen worden sein sollen, bestätigte ein Funktionär der Kreisregierung der Deutschen Presse Agentur in Peking telefonisch die Zwischenfälle. „Wir warten auf Anweisung der Zentralregierung“, sagte der Beamte, ob die Todeszahlen veröffentlicht werden. „Alles, was mit Toten zu tun hat, ist geheim.“ Die Lage habe sich aber beruhigt. Geschäfte und Schulen seien wieder geöffnet.

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