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China : Die Freiheit fand er erst im Tod: Zhao Ziyang

  • -Aktualisiert am

Zhao Ziyang: 15 Jahre unter Hausarrest Bild: dpa/dpaweb

1989 wollte er das Massaker des Militärs auf dem Tiananmen-Platz verhindern. Doch der Parteichef und Reformer wurde entmachtet und unter Hausarrest gestellt. Panzer rollten gegen den Protest. Im Alter von 85 Jahren verstarb Zhao Ziyang in Peking.

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          Die Nachrichtenagentur Xinhua vermeldete das Ereignis am Montag morgen mit einem dürren Satz: Der Genosse Zhao Ziyang sei nach Krankheit im Alter von 85 Jahren in Peking verschieden.

          Es war das erste Mal seit dem Jahr 1989, daß der Name des ehemaligen chinesischen Parteichefs öffentliche Erwähnung fand. Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 stand Zhao Ziyang unter Hausarrest, war er eine Unperson in China.

          Gegen den Einsatz des Militärs

          Mehr als 15 Jahre lang lebte er gut bewacht und weitgehend abgeschirmt in einem Hofhaus in der Altstadt von Peking. Nun sei er endlich frei, hieß es in einer Stellungnahme seiner Tochter. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Zhao Ziyang am 19. Mai 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

          Zhao Ziyang wird 1984 in Washington empfangen

          Dort waren Hunderte von Studenten in den Hungerstreik getreten, um ihrer Forderung nach mehr Demokratie und dem Verlangen nach einem Dialog mit der chinesischen Parteiführung Nachdruck verleihen. Zhao Ziyang, so wußten die Studenten , stand auf ihrer Seite, doch er hatte in der Parteiführung einen schweren Stand.

          Die Fraktion um Parteipatriarch Deng Xiaoping und Ministerpräsident Li Peng hatte sich für ein hartes Vorgehen gegen die Studenten ausgesprochen, die seit einem Monat täglich im Zentrum von Peking gegen Korruption und für politische Reformen demonstrierten und den Keim des Umbruchs bis in die Provinzen getragen hatten.

          Während die orthodoxen Parteiführer von einem Angriff gegen das sozialistische System sprachen, weigerte sich Zhao Ziyan, die Studentenbewegung als staatsfeindlich zu bezeichnen. Mit Tränen in den Augen beschwor an jenem Tag Zhao Ziyang die Studenten auf dem Platz, ihren Hungerstreik abzubrechen und an ihre Gesundheit zu denken. „Wir kommen zu spät“, entschuldigte er sich. Die Begegnung wurde vom Fernsehen übertragen.

          Jüngste Veröffentlichungen in Hongkong bestätigen , daß der damals bereits 71 Jahre alte Zhao Ziyang zu diesem Zeitpunkt wußte, daß die orthodoxe Parteifraktion entschlossen war, mit Militärgewalt gegen die Studenten vorzugehen. Doch er konnte die Studenten nicht von ihrem Hungerstreik oder zum Rückzug bewegen.

          Entmachtet und unter Hausarrest gestellt

          Noch am selben Tag wurde Zhao Ziyang von seinem Amt als Parteichef entbunden und unter Hausarrest gestellt. Ohne ihn fällte die Parteiführung die Entscheidung, die Demonstrationen mit einem Militäreinsatz zu beenden.

          Zwei Wochen später rollten die Panzer in Peking ein, wurden Hunderte unbewaffneter Demonstranten getötet und Tausende verletzt. Die Bewegung der Studenten wurde als „konterrevolutionärer Aufruhr“ gebrandmarkt.

          Einige Wochen später wurde Zhao Ziyang offiziell der Spaltung der Partei und der Unterstützung der Unruhen beschuldigt und von all seinen Parteiämtern enthoben. Jiang Zemin wurde sein Nachfolger als Parteichef.

          Obwohl der Hausarrest offiziell nach einigen Monaten aufgehoben wurde, blieb Zhao Ziyang de facto jedoch für die letzten 15 Jahre seines Lebens ein unfreier Mann. Er durfte sein Haus nur mit Genehmigung verlassen, unter Bewachung gelegentlich Golf spielen ,nur Familie und enge Freunde als Besucher empfangen.

          Der 4. Juni blieb ein Tabu-Thema

          Zum 10 .Jahrestag des 4. Juni gab es Forderungen, vor allem von exilierten Vertretern der Demokratiebewegung von 1989 , ihn zu rehabilitieren. Seine Parteigenossen in China aber beugten sich, auch wenn sie mit ihm sympathisiert hatten, der Parteiräson. Der 4. Juni blieb ein Tabu-Thema und Zhao Ziyang durfte nicht erwähnt werden. Vielleicht wird jetzt, nach seinem Tod bekannt werden, wie Zhao Ziyang in diesen langen Jahren des Hausarrestes die Entwicklung der Partei und ihrer Politik gesehen hat.

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