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Nach Pelosi-Besuch : China schießt ballistische Raketen in Richtung Taiwan

  • Aktualisiert am

Die Shihyu Insel gehört zu den zu Taiwan gehörigen Kinmen-Inseln vor der Küste Chinas. Bild: Reuters

Kurz nach Pelosis Besuch in Taiwan hat China in sechs Gebieten rund um die Inselrepublik Manöver begonnen. Die Rede ist von „weit reichenden Geschossen“ und „Präzisionsschlägen“. Auch in japanischen Gewässern gingen offenbar Raketen nieder.

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          Einen Tag nach dem Taiwan-Besuch von US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi hat China großangelegte Militärmanöver vor der taiwanischen Küste begonnen. Bei den Übungen feuerte die chinesische Armee nach taiwanischen Regierungsangaben am Donnerstag „zahlreiche ballistische Raketen" ins Meer. Taipeh verurteilte die Übungen als Bedrohung für den Frieden in der Region. Offenbar aus China und Russland gestartete Cyberangriffe legten zudem taiwanische Websites zeitweise lahm. 

          Die Übungen reichten bis auf 20 Kilometer an die taiwanische Küste heran. Die staatliche chinesische Zeitung „Global Times“ schrieb unter Berufung auf Militärexperten von „beispiellosen" Manövern. Taiwans Regierung sprach von „irrationalen Aktionen, die den Frieden in der Region untergraben" mit dem Ziel, „die internationale Ordnung in Frage zu stellen". 

          Das taiwanische Verteidigungsministerium erklärte, China habe „zahlreiche ballistische Raketen der Dongfeng-Reihe" ins Meer vor der nordöstlichen und der südwestlichen Küste Taiwans geschossen. Das chinesische Militär bestätigte Übungen für „einen Angriff mit konventionellen Raketen an mehreren Orten und mit mehreren Waffentypen" in „zuvor festgelegten Seegebieten vor dem Osten der Insel Taiwan". Alle Raketen hätten „ihr Ziel präzise getroffen" und „die Schlagpräzision und die Fähigkeit zur Gebietsverteidigung" getestet.

          Japan legt Protest ein

          Auch Japan zeigte sich alarmiert. Fünf von China abgefeuerte ballistische Raketen seien offenbar in einem Meeresgebiet niedergegangen, das seerechtlich eine exklusive Wirtschaftszone Japans sei, teilte Verteidigungsminister Nobuo Kishi mit. Es sei der erste Vorfall dieser Art. Man habe diplomatischen Protest eingelegt.

          China geht es laut Staatsmedien um eine See- und Luftblockade der demokratischen Inselrepublik. Auch werde eine mögliche Eroberung Taiwans geübt. Die Manöver finden in sechs Meeresgebieten rund um Taiwan statt. Erstmals erstrecken sich die Sperrgebiete auch auf Taiwans Hoheitsgewässer, die Peking ohnehin nicht anerkennt. Chinesische Militärexperten schlossen in Staatsmedien nicht aus, dass auch Raketen von Westen nach Osten erstmals direkt über Taiwan geschossen werden könnten.

          Die Außenminister des südostasiatischen Staatenbündnisses ASEAN warnten am Donnerstag vor Beginn der Militärmanöver, die derzeitige Situation könne zu „Fehlkalkulation, ernsthafter Konfrontation, offenen Konflikten und unvorhersehbaren Konsequenzen zwischen Großmächten führen“. Es müsse jetzt auf jede „provokative Aktion“ verzichtet werden, erklärten die Minister bei einem ASEAN-Treffen in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.

          Taiwan hatte am Mittwochabend nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht identifizierte chinesische Flugkörper über den Kinmen-Inseln mit Leuchtraketen vertrieben. Zwei chinesischen Flugobjekte, wahrscheinlich Drohnen, seien zweimal in das Gebiet eingedrungen, gegen 21 Uhr und 22 Uhr (Ortszeit), sagte Generalmajor Chang Zone-sung vom Kinmen-Verteidigungskommando der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.

          „Wir haben sofort Leuchtraketen gezündet, um sie zu warnen und zu vertreiben. Danach kehrten sie um. Sie kamen in unsere Sicherheitszone und deshalb haben wir sie vertrieben.“ Er gehe davon aus, dass die Drohnen dazu dienten, Informationen über Taiwans Sicherheitsmaßnahmen zu sammeln. Die stark befestigten Kinmen-Inseln gehören politisch zu Taiwan, liegen aber nahe vor der südöstlichen Küste Chinas bei der Stadt Xiamen.

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