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China : Ai Weiwei unter Hausarrest

Ai Weiwei vor seinem Studio Bild: REUTERS

Der chinesische Künstler und Aktivist Ai Weiwei ist in Peking nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden. Die Polizei habe ihn aufgefordert, sein Haus am Wochenende nicht zu verlassen, sagte er am Telefon der F.A.Z.. Sie wolle verhindern, dass er zu einem von ihm geplanten Fest nach Schanghai reise.

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          Für das Fest in Schanghai hätten sich mehr als 1000 Internetnutzer angemeldet, sagte Ai. Mit der Feier wollte der Künstler auf die Zwangsräumung und den bevorstehenden Abriss seines neu errichteten Studio in Schanghai hinweisen. Zu dem Bau sei er vor zweieinhalb Jahren durch die dortigen Behörden ermutigt worden, doch sei dieser vor zwei Monaten plötzlich für illegal erklärt worden, sagte der Künstler.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Vorgehen gegen Ai kommt zu einer Zeit, in der die Behörden wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises für den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo generell die Repressalien gegen Dissidenten stark verschärft haben. Seit der Bekanntgabe des Preisträgers sind nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 40 Menschen unter Hausarrest gestellt worden. Peking hatte am Freitag zudem den Druck auf die europäischen Regierungen erhöht, nicht an der Verleihung des Preises am 10. Dezember in Oslo teilzunehmen.

          Ai Weiwei bezeichnet den Hausarrest als „lächerlich“

          Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur drohte ein Vizeaußenminister mit Konsequenzen. „Die Wahl, vor der einige europäische Länder und andere stehen, ist klar und einfach: Wollen sie Teil eines politischen Spiels sein, das Justizsystem Chinas herauszufordern, oder wollen sie auf verantwortliche Weise echte freundschaftliche Beziehungen mit Chinas Regierung und Volk entwickeln?“, sagte Cui Tiankai demnach bei einem Pressegespräch in Peking zum bevorstehenden G20-Gipfel in Seoul.

          Der Künstler Ai Weiwei bezeichnete den Hausarrest gegen ihn am Freitag als „lächerlich“. Ai nutzt intensiv das Internet und bezieht sich oft auf Entwicklungen im weltweiten Netz. Auf der Feier hatte er Flusskrebse servieren wollen. Der Name dieser Spezialität klingt auf Chinesisch ähnlich wie das von Staatschef Hu Jintao entwickelte Konzept der „Harmonie“ („Hexie“) in der Gesellschaft. Der Begriff wird im Internet aber oft ironisch und als Synonym für die Zensur oder anderweitige Unterdrückung benutzt. In diesem Sinn wurde auch die geplante Feier Ai Weiweis „harmonisiert“.

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