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Verfassungsreform in Chile : Gegen die Erben der Diktatur

Anhänger der Verfassungsreform feiern am 25. Oktober in Santiago ihren Sieg im Referendum. Bild: AFP

Die Chilenen haben für die Abschaffung der Verfassung aus der Zeit der Militärdiktatur gestimmt. Aber wie kann es gelingen, in einem polarisierten und von der Pandemie gebeutelten Land eine neue Verfassung zu schreiben?

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          Bloß in drei Gemeinden haben die Chilenen am Sonntag gegen die Ausarbeitung einer neuen Verfassung gestimmt. Es handelt sich um die luxuriösen Außenbezirke im Nordosten der Hauptstadt Santiago, in denen sich der gesamte Reichtum des Landes konzentriert. Hier lebt das eine Prozent der Chilenen, das über ein Drittel des gesamten Privatvermögens verfügt. Es ist das eine Prozent, das kein Interesse an einer Veränderung hat und dessen Privilegien jahrzehntelang von einer Verfassung geschützt wurden, die während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet geschrieben wurde. Es ist das eine Prozent, das in der chilenischen Politik überproportional vertreten ist und dem auch Präsident Sebastián Piñera angehört.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Als sich Schüler im Oktober 2019 weigerten, für die Benutzung der U-Bahn zu zahlen, war das ein Akt der Rebellion – nicht gegen die Diktatur, die sie nicht erlebt haben, sondern gegen deren Erben in den noblen Außenbezirken. Es war eine Provokation, die bald zu einer Drohung wurde: Brennende U-Bahn-Stationen und Busse, ständige Demonstrationen, Straßenschlachten, Blockaden, Streiks und zuletzt gar brennende Kirchen brachten das Land an einem Punkt, der unvorstellbar schien für die „Oase der Stabilität“, wie Präsident Piñera sein Land noch kurz vor dem Ausbruch der Unruhen bezeichnet hatte.

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