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Chile : Fujimori wird an Peru ausgeliefert

  • -Aktualisiert am

Menschenrechtler sprechen von einem „schmutzigen Krieg” Fujimoris Bild: REUTERS

Erst floh er nach Japan, dann reiste er nach Chile und wurde dort verhaftet - nun wird der frühere peruanische Präsident Fujimori an sein Heimatland ausgeliefert. Dort drohen dem 69-Jährigen Prozesse wegen Menschenrechtsverletzungen.

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          Der Oberste Gerichtshof in Santiago de Chile hat der Auslieferung des früheren peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori von Chile an Peru zugestimmt. Die chilenische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass sie Fujimori sogleich an Peru überstellen wolle. Dort muss er sich wegen Menschenrechtsverletzungen in zwei Fällen während seiner Regierungszeit (1990 bis 2000) und fünf Korruptionsvergehen verantworten. Fujimori ging damals mit großer Härte gegen die maoistische Terrororganisation „Leuchtender Pfad“ vor. Menschenrechtler sprechen von einem „schmutzigen Krieg“. Peru hatte die Auslieferung wegen insgesamt 13 Delikten beantragt.

          Die Entscheidung ist unanfechtbar, wegen formeller Einsprüche könnte der Vollzug jedoch verzögert werden. Über seine Anwälte ließ Fujimori verlauten, dass er keine Rechtsmittel mehr einlegen wolle. Mit dem Urteil wurde der Spruch einer unteren Instanz aufgehoben, die eine Auslieferung für nicht rechtmäßig angesehen hatte. Die obersten Richter plädierten bei den Menschenrechtsvergehen einmütig für die Überstellung des früheren Staatsoberhaupts.

          Luxuriöser Hausarrest

          Bei den Korruptionsvergehen gab es unterschiedliche Voten. Fujimori war am 6. Dezember 2005 überraschend mit einem Privatflugzeug von Japan kommend unbehelligt in Chile eingereist, obwohl ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorlag. Von Chile aus wollte er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl in Peru im vergangenen Jahr organisieren. Er wurde jedoch festgenommen, und die Regierung in Lima beantragte kurz darauf seine Auslieferung.

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          Zum Zeitpunkt der Verkündung des Urteils befand sich Fujimori unter Hausarrest in einer luxuriösen Wohnung im Stadtviertel Chicureo in Santiago. Mit seinem Versuch, in der Parlamentswahl Ende Juli in Japan für eine kleine Partei einen Abgeordnetensitz und damit Immunität zu erlangen, war er gescheitert.

          Präsident Garcia kommt die Auslieferung ungelegen

          Die peruanische Justiz will sogleich nach Fujimoris Überstellung die Gerichtsverfahren gegen ihn eröffnen. Ihm wird vor allem die Verantwortung für zwei von staatlichen Sicherheitskräften in Lima begangene Massaker angelastet, bei denen 25 Personen getötet worden waren. Für den peruanischen Präsidenten Alán García, der sich während Fujimoris Amtszeit in Kolumbien und Frankreich im Exil aufhielt, kommt die Auslieferung seines Amtsvorgängers trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht ganz gelegen, weil sich seine Partei "Apra" im Kongress der Unterstützung von "Fujimoristas" bedient.

          Fujimori war im jahr 2000 nach dem Bekanntwerden zahlreicher von seinem Berater und Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos angezettelter Korruptionsvergehen nach Japan geflohen. Während er sich dort stets auf seine japanische Staatsbürgerschaft berief, reiste er nach Chile als Peruaner ein.

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