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Offiziell „persönliche Gründe“ : Polens Geheimdienstchef stürzt über Corona-Affäre

Sitzung des polnischen Parlaments in Warschau (Archivbild) Bild: dpa

Polens Geheimdienstchef stolpert über eine Affäre mit Beatmungsgeräten. Ein unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommener Waffenhändler soll dabei die Hauptrolle gespielt haben.

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          Der Tod eines polnischen Waffenhändlers in Albanien und seine mysteriösen Begleitumstände sind offenbar der Anlass für den Rücktritt des Chefs des polnischen Auslandsgeheimdienstes AW. Piotr Krawczyk, zuvor Diplomat und Nahostfachmann, hatte den Dienst seit 2016 geleitet, jedoch am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt eingereicht – „aus persönlichen Gründen“, wie es offiziell hieß. Für die Ablösung eines Geheimdienstchefs bedarf es in Polen einer Stellungnahme des Geheimdienstausschusses des Abgeordnetenhauses Sejm. Dieser wurde für Freitagnachmittag zu einer nicht öffentlichen Sitzung zusammengerufen. Der Oppositionsabgeordnete und frühere Innenminister Marek Biernacki sagte vor der Sitzung, Polen erlebe als Staat eine „Sicherheitskrise“. Mitten in einem Krieg könne man nicht den AW-Chef auswechseln.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Krawczyk, der mit seinen 44 Jahren in der Region von der Türkei bis Afghanistan Erfahrungen gesammelt hatte, ist offenbar die „Beatmungsgerät-Affäre“ aus der Zeit der Pandemie zum Verhängnis geworden. Womöglich ist er dabei nur ein Sündenbock – so lautet zumindest die Darstellung mancher polnischer Medien. Zentraler Akteur der Affäre war der am 21. Juni in seiner Wohnung in Tirana tot aufgefundene Robert Izdebski.

          Leiche von Hauptakteur in Albanien gefunden

          Der mit 73 Jahren verstorbene Mann soll vor 1989 für einen der Geheimdienste gearbeitet haben. Nach der Wende machte er Geschäfte, auch in großem Stil mit Kriegswaffen. Als sich 2020 das Coronavirus ausbreitete, fädelte Izdebski über seine Firma E&K blitzartig ein Geschäft über 1241 Beatmungsgeräte für Polen ein. Der Geheimdienst AW hatte dafür eine Reihe von Lieferanten empfohlen, unter ihnen E&K. Später stellte sich heraus, dass Izdebski überhöhte Preise berechnet, den weitaus größten Teil der Geräte nie geliefert, aber mehrere Millionen Euro kassiert hatte.

          Als die Leiche Izdebskis in Albanien im Juni aufgefunden wurde, kam es zu merkwürdigen Ereignissen. Offenbar wurde der Leichnam nicht obduziert. Der Sarg wurde in die polnische Stadt Łódź transportiert und dort – so wird berichtet – ungeöffnet eingeäschert. Später sagte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, nach seiner Kenntnis „gab es Kontakt zu den albanischen Geheimdiensten und wurde die Einäscherung auf Wunsch der Familie und in Absprache mit den Geheimdiensten getroffen“. Auf den Einwand eines Journalisten, zwei mit der Sache befasste Staatsanwälte stellten die Dinge anders dar, sagte Morawiecki, er habe mit ihnen nicht gesprochen und stelle die Informationen des Journalisten nicht infrage.

          AW-Chef Krawczyk werden auch Erfolge bescheinigt. So hat sein Dienst offenbar mehrfach Telefonate russischer Besatzungssoldaten aus der Ukraine abgehört und veröffentlicht. Um den Rücktritt ranken sich jedoch weitere Spekulationen. Der Geheimdienstfachmann Piotr Niemczyk sagte, wahrscheinlich „haben einige mit dem Dienst verbundene Personen das Geschäft [mit den Beatmungsgeräten] auf eigene Faust gemacht“.

          Dass Details über die Beatmungsgeräte öffentlich wurden, ist dem polnischen Rechnungshof NIK zu verdanken, dessen Präsident zwar ein alter Parteigänger der regierenden Partei PiS war, aber 2019 mit ihr in einen Konflikt geriet und wohl auch deshalb als NIK-Chef Unabhängigkeit demonstriert. Außerdem spielte die „E-Mail-Affäre“ eine Rolle, in deren Verlauf seit 2021 private E-Mails von Regierungsvertretern mit dienstlichen Inhalten an die Öffentlichkeit gelangen. Fachleute machen die aus Belarus operierende Hackergruppe UNC1151 dafür verantwortlich. Am Freitag hieß es, der bisherige Vizechef des Inlandsgeheimdienstes ABW, Bartosz Jarmuszkiewicz, solle Krawczyks Nachfolger werden.

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