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Ein Jahr nach Charlottesville : Ultrarechte bringen nur wenige Dutzend auf die Straße

  • Aktualisiert am

Der bekannte Ultrarechte Jason Kessler gehört zu den Demonstranten. Bild: Reuters

Am Jahrestag der tödlichen Charlottesville-Proteste laufen nur wenige Ultrarechte durch Washington. Dann stoppt sie der Regen. Eine Mehrzahl von Gegendemonstranten hatten sich zuvor gegen sie gestellt – genauso wie Trumps Tochter in einer Erklärung.

          Zu einer von Rechtsextremen organisierten Kundgebung in der amerikanischen Hauptstadt Washington haben sich am Sonntag lediglich rund 20 Teilnehmer eingefunden. Sie trafen auf massiven Protest von Hunderten Gegendemonstranten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um beide Gruppen auseinanderzuhalten.

          Anlass für die Kundgebung der Rechtsextremen in der Nähe des Weißen Hauses war der Jahrestag der tödlichen Ausschreitungen bei einem rechtsradikalen Aufmarsch in Charlottesville im Bundesstaat Virginia. Polizisten säumten am Sonntag Metallabsperrungen, welche die beiden Gruppen voneinander trennen sollten. Aus Sorge vor Ausschreitungen zwischen den gegnerischen Gruppen waren zahlreiche Straßen für den Verkehr gesperrt. Das Weiße Haus war hermetisch abgeriegelt.

          Die Gruppe der etwa 20 Rechtsextremen traf aus Vienna in Virginia an einer U-Bahn-Station in Washington ein, wo sie von den Gegendemonstranten erwartet wurde. Die Nazi-Gegner riefen „Schämt euch“ und „Raus aus meiner Stadt“. Polizisten eskortierten die Rassisten zum Kundgebungsort, um Zusammenstöße zu verhindern. Nach einem Marsch zum Lafayette Square vor dem Weißen Haus wurde die Gruppe der Rechtsextremen in Polizeibussen zu einer anderen U-Bahn-Station gefahren. Größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Nach zwei Stunden und einigen Reden endete die Kundgebung vorzeitig im Regen.

          Die Gegendemonstranten sind deutlich in der Überzahl.

          Die Organisatoren hatten dazu aufgerufen, nur Flaggen der Vereinigten Staaten und der Südstaaten mitzubringen. Besucher sollten zudem „Pfefferspray, Knüppel, Messer oder andere Waffen“ zu Hause lassen. Bei den Protesten vor einem Jahr waren Hakenkreuzflaggen geschwenkt worden, einige Teilnehmer waren bewaffnet gewesen.

          Im Zuge der Demonstration „Vereint die Rechte“ in Charlottesville war es am 12. August 2017 zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ein Rechtsextremist steuerte ein Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten. Die 32 Jahre alte Heather Heyer starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Nachfolgeveranstaltung „Vereint die Rechte 2“ zum Jahrestag war in Charlottesville verboten worden.

          Laut gegen die Ultrarechten

          Vor dem Jahrestag hatten die Stadt Charlottesville und der Bundesstaat Virginia aus Sorge vor neuen Zwischenfällen den Notstand ausgerufen. Im Stadtzentrum wurde eine abgeriegelte Sicherheitszone eingerichtet, in der Gegenstände, die als Waffen eingesetzt werden könnten, verboten waren. Auch das Tragen von Masken wurde untersagt. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Sicherheitskräfte patrouillierten.

          Die rechte Demonstration an diesem Sonntag war zunächst in Charlottesville beantragt, aber nicht genehmigt worden. In Washington wurde sie unter Verweis auf die Versammlungs- und Meinungsfreiheit dagegen erlaubt. Zahlreiche Menschen waren daraufhin zusammengekommen, um eine Gegenveranstaltung zu organisieren.

          Die Tochter von Präsident Donald Trump hatte zum Jahrestag der tödlichen Proteste in Charlottesville eindeutig Stellung gegen Rechtsextremismus bezogen. „In unserem großartigen Land gibt es keinen Platz für weiße Vorherrschaft, Rassismus und Neonazismus“, schrieb Ivanka Trump am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Donald Trump hatte wenige Stunden zuvor „alle Formen von Rassismus und Gewalttaten“ verurteilt.

          Donald Trump war nach den Zusammenstößen in Charlottesville vor einem Jahr dafür kritisiert worden, die rechtsextreme Gewalt nicht eindeutig verurteilt zu haben. „Ich denke, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt“, hatte er damals gesagt. Es habe auf beiden Seiten auch „sehr gute Menschen“ gegeben. Trump hatte damit Empörung ausgelöst.

          Schon am Sonntagmittag (Ortszeit) versammelten sich im Zentrum Washingtons Hunderte Gegendemonstranten. Teilnehmer hielten Schilder mit Aufschriften wie „Deportiert Nazis“, „Weiße Vorherrschaft ist Terrorismus“ oder „Keine Nazis – kein KKK – keine faschistischen USA“ hoch. Das Kürzel KKK steht für den rassistischen Ku Klux Klan. Demonstranten forderten außerdem die Ablösung Trumps.

          Zu einem Gerangel kam es, als zwei Menschen mit T-Shirts, die sich für Donald Trump einsetzten, in die Menge der Gegendemonstranten gerieten. Sie wurden von Demonstranten beschimpft, gestoßen und mit Wasser übergossen. Ordner eskortierten den Mann und die Frau zur Polizei.

          Donald Trump schrieb am Samstag auf Twitter: „Die Ausschreitungen in Charlottesville vor einem Jahr haben zu sinnlosem Tod und Spaltung geführt. Wir müssen als Nation zusammenkommen.“ Er fügte in einem weiteren Tweet hinzu: „Ich werde nie aufhören, für ALLE Amerikaner zu kämpfen!“ Seine Tochter Ivanka schrieb: „Vor einem Jahr haben wir in Charlottesville eine abstoßende Zurschaustellung von Hass, Rassismus, Fanatismus und Gewalt gesehen.“

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