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Türkischer Außenminister : Cavusoglu: Deutschland hat ein Problem mit der Türkei

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Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am 28.12.2017 bei einem Interview in Ankara (Türkei) Bild: dpa

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland waren 2017 angespannt. Für das neue Jahr erwartet Außenminister Cavusoglu Entspannung - und schickt zugleich eine Warnung nach Berlin.

          Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu rechnet im neuen Jahr mit einer deutlichen Entspannung im Streit mit Deutschland und will noch im Januar in die Bundesrepublik kommen. „Ich denke, dass beide Seiten bereit dazu sind, die Beziehungen zu normalisieren“, sagte Cavusoglu der Deutschen Presse-Agentur in Ankara. „Ich erwarte also ein viel besseres Jahr 2018.“ Er warnte Deutschland allerdings zugleich vor Drohungen gegen sein Land. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich kürzlich optimistisch über eine Verbesserung des Verhältnisses zu Deutschland geäußert.

          Cavusoglu lobte besonders den „guten Dialog“ mit seinem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel, der ihn für Januar in dessen Heimatort Goslar eingeladen habe. Gabriel sei ein „persönlicher Freund“, mit dem er deswegen aber nicht immer einer Meinung sein müsse. Gabriel hatte Cavusoglu im November in dessen Wahlkreis in Antalya besucht.

          „Deutschland hat ein Problem mit der Türkei“

          Cavusoglu sagte, aus Sicht Ankaras gebe es keine Krise mit Berlin. „Die Türkei hat kein Problem mit Deutschland. Aber Deutschland hat ein Problem mit der Türkei, und Deutschland lässt keine Gelegenheit aus, die Türkei anzugreifen.“ Seine Regierung erwarte von Deutschland, „die Türkei als gleichwertigen Partner zu betrachten“.

          Cavusoglu kündigte an: „Wenn Deutschland sich einen Schritt auf uns zubewegt, geht die Türkei zwei Schritte auf Deutschland zu. Das ist keine Schwäche, das kommt von Herzen. Aber wenn Deutschland die Türkei bedroht, wird die Türkei zurückschlagen.“

          Nicht glücklich über fehlende Anklage gegen Deniz Yücel

          Cavusoglu hofft unterdessen auf ein baldiges Verfahren gegen den seit mehr als zehn Monaten inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel. „Auch ich bin nicht sehr glücklich darüber, dass es noch immer keine Anklage gibt“, sagte Cavusoglu. „Aber wir können die Justiz nur dazu ermutigen, den Prozess zu beschleunigen. Das haben wir bereits getan. Aber sie sagen uns, dass es eine sehr komplexe Situation ist und dass die Ermittlungen noch andauern. Deswegen dauert es einige Zeit. Aber das ist nichts Persönliches.“ Die Vorwürfe gegen Yücel seien „sehr ernst“.

          Yücel sitzt seit Februar wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft und hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Beschwerde eingelegt. Cavusoglu sagte auf die Frage, ob die Türkei Yücel freilassen würde, sollte der EGMR eine solche Entscheidung fällen: „Das liegt natürlich an der Justiz, aber wir haben die Entscheidungen des Gerichts in Straßburg immer umgesetzt.“ Er erwarte daher „natürlich“ auch eine Umsetzung im Fall Yücel.

          Deutschland als größte Verteidiger der Menschenrechte?

          Die Bundesregierung fordert die Freilassung Yücels und anderer Deutscher, weil diese aus Sicht Berlins aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind. Cavusoglu wies das zurück. „Wir haben der deutschen Regierung gesagt, dass das nicht wahr ist“, betonte er. „Warum sollten wir diese Menschen ins Gefängnis stecken? Um etwas von Deutschland zu bekommen? Nein.“ Dass Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in dem Zusammenhang von „Geiseln“ gesprochen hatte, sei „falsche, populistische Terminologie vor einer Wahl“ gewesen.

          Cavusoglu kritisierte die Bedeutung, die dem Fall Yücel in Deutschland beigemessen wird. „Wer auch immer in der Türkei inhaftiert wird oder dort Probleme hat, wird in Deutschland zum Helden. Warum? Ist Deutschland der größte Verteidiger der Menschenrechte in der Welt? Nein. Ich kann Ihnen Tausende Beispiele von Menschenrechtsverletzungen in Deutschland geben.“

          Zudem Cavusoglu sagte, die von ihm und Erdogan im Frühjahr angestellten Nazi-Vergleiche wegen der Auftrittsverbote für türkische Regierungsvertreter in Deutschland und anderen EU-Staaten bereue er nicht. „Was an diesen Tagen geschehen ist, erinnerte uns an das, was während der Nazi-Zeit geschah. Vielleicht ist es nicht einmal während der Nazi-Zeit geschehen. Ich glaube nicht, dass das Nazi-Regime solche Besuche oder Veranstaltungen stoppte.“

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