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Vorwürfe gegen Boris Johnson : Cambridge Analytica soll auch für Brexit-Kampagnen gearbeitet haben

  • Aktualisiert am

Hat die Kampagne von Boris Johnson die Wahlkampfausgaben überschritten? Der britische Außenminister muss sich heiklen Fragen stellen. Bild: AFP

Der Datenskandal um Cambridge Analytica zieht weitere Kreise: Zwei Brexit-Kampagnen sollen mit der Datenanalyse-Firma in Verbindung stehen. Die Vorwürfe betreffen auch den britischen Außenminister Boris Johnson.

          Das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica (CA) soll auch im Brexit-Referendum eine Rolle gespielt haben. Es soll eng mit der australischen Daten-Firma AggregateIQ (AIQ) in Verbindung stehen, das mit der „Vote Leave“-Kampagne im Brexit-Wahlkampf zusammengearbeitet hat. Das berichtet der „Guardian“, der sich auf den CA-Whistleblower Christopher Wylie beruft. AIQ bestreitet jedoch auf seiner Webseite mit CA in Verbindung zu stehen.

          Wylie und der frühere „Vote Leave“-Mitarbeiter Shahmir Sanni wollen heute Mittag eine Pressekonferenz abhalten. Sie wollen Beweise für „mögliche Straftaten von ‚Vote Leave‘“ während des EU-Referendums offenlegen, berichtet „Politico“. Die Kampagne bestreitet aber ebenso die Verbindung zu CA.

          Was aber sicher ist: AIQ wurde für Brexit-Kampagne unter dem heutigen britischen Außenminister Boris Johnson engagiert. Sie hat 40 Prozent des Budgets für ihre Dienste erhalten – das sind 6,8 Millionen Pfund (7,8 Millionen Euro). Bis vor kurzem schmückte sich das Unternehmen auf seiner Webseite mit einem Zitat des Vote-Leave-Wahlkampfleiters Dominic Cummings: „Ohne Zweifel schuldet die Vote-Leave-Kampagne einen großen Teil ihres Erfolgs der Arbeit von AggregateIQ, ohne sie hätten wir es nicht schaffen können.“

          Über Scheinkampagne soll noch mehr Geld geflossen sein

          Einem ehemaligen Brexit-Wahlkämpfer zufolge soll über eine gesonderte Scheinkampagne sogar noch mehr Geld von Johnsons Wahlkampfetat nach Kanada geflossen sein. Die britische Wahlkommission ermittelt bereits, ob „Vote Leave“ die gesetzlichen Obergrenze für Wahlkampfausgaben überschritten habe. Johnson bestreitet das. Er bezeichnet die Anschuldigungen als „ausgesprochen albern“.

          Ebenfalls ins Visier der britischen Wahlkommission geraten ist die Brexit-Kampagne des ehemaligen Ukip-Chefs Nigel Farage „Leave.EU“. Das Wahlkampfteam der EU-feindlichen Partei soll ansatzweise sogar direkt mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben. Der „Guardian“ beruft sich auf die ehemalige CA-Mitarbeiterin Brittany Kaiser. Eine Sprecherin der Wahlkommission bestätigte am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Ermittler deswegen mit Cambridge Analytica in Kontakt stehen.

          Durchsuchung der CA-Zentrale in London

          Die britische Datenschutzbehörde ICO (Information Commissioner's Office) ließ im Zusammenhang mit den von Cambridge Analytica erlangten Facebook-Daten in der Nacht zum Samstag die Londoner Zentrale des Unternehmens durchsuchen. Man werde nun Beweise sichern, auswerten und bewerten, bevor Schlüsse gezogen würden, hieß es in einer Mitteilung.

          In dem Skandal geht es um die unerlaubte Nutzung der Informationen von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzern durch Cambridge Analytica. Sie hatte die Daten von einem britischen Professor bekommen, der eine App mit einer
          Psychologie-Umfrage auf die Facebook-Plattform brachte. Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App des Professors auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der rund 300.000 Umfrage-Teilnehmer bekommen, etwa deren Likes und Interessen. So sammelten sich laut Medienberichten Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern an.

          CA arbeitete unter anderem im amerikanischen Wahlkampf für das Team des zum Präsidenten gewählten Donald Trump. Die Firma erklärt, sie könne durch eine gezielte Auswahl politischer Werbung das Wahlverhalten beeinflussen. Über ihre Effizienz im US-Wahlkampf wurde jedoch gestritten.

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