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Untersuchung zu Buschfeuern : Australiens zwei Krisen

Verbranntes Gelände in Bruthen South in Australien Anfang Januar 2020. Bild: EPA

In Australien beginnt die Untersuchung der verheerenden Brände zu Beginn des Jahres. Die Regierung hat dabei keine gute Figur gemacht. Im Umgang mit der Corona-Pandemie scheint sie aus ihren Fehlern gelernt zu haben.

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          Australien wurde in diesem Jahr doppelt getroffen. Erst sorgten die verheerenden Buschfeuer für beispiellose Zerstörung. Dann kam kurz danach die Corona-Pandemie. Die politische Bilanz dieser beiden Krisen fällt zumindest für die Regierung bis jetzt sehr heterogen aus. Während das Vertrauen in die Regierung im Zuge der Brände auf einen Negativrekord gesunken war, bewerten in einer Umfrage 93 Prozent der Befragten den Umgang der Regierung mit der Corona-Krise nun als sehr oder ziemlich gut. Nicht ohne Grund: Laut der Johns-Hopkins-Universität verzeichnet Australien bei 25 Millionen Einwohnern nur 7118 nachgewiesene Infektionen. 102 Australier sind an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Zwar steht das endgültige Urteil in der Corona-Krise aus, da die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt noch nicht abzusehen sind. Dafür hat in der anderen Krise nun schon die Aufarbeitung begonnen. In der Hauptstadt Canberra nahm am Montag eine Untersuchungskommission die Arbeit auf, welche die Hintergründe der Buschfeuer beleuchten soll, bei denen 33 Menschen ums Leben gekommen und rund 3000 Häuser zerstört worden sind.

          Laut Premierminister Scott Morrison soll die Kommission herausfinden, ob Australien auf die Katastrophe angemessen vorbereitet war und welche Konsequenzen gezogen werden müssen. Sie soll schon im August einen Bericht vorlegen, also noch vor der jährlichen Brandsaison.

          Welchen Anteil hatte der Klimawandel?

          Gleich zu Beginn der Untersuchung befasst sich die Kommission dabei mit einer Diskussion, die in Australien besonders kontrovers geführt wurde. In den kommenden zwei Wochen geht es um die Frage, welchen Anteil der Klimawandel an der Buschfeuerkatastrophe hat. Dazu hörte die Kommission am Montag per Videolink zunächst Karl Braganza vom australischen Wetterdienst. Braganza ließ keinen Zweifel, dass die Buschfeuer in Australien an Intensität, Dauer und Häufigkeit zugenommen haben. Mitunter beginne die Saison schon drei Monate früher und ende einen Monat später als in den fünfziger Jahren, sagte der Fachmann nach Angaben australischer Medien.

          Braganza zufolge wird sich ein extremer Sommer wie der vergangene mit hoher Sicherheit wiederholen. Allerdings gehe er davon aus, dass es zum Ende dieses Jahres nicht ganz so schlimm werde, da diesmal mit stärkeren Niederschlägen zu rechnen sei.

          Dann befragte die Kommission zwei Wissenschaftler zu den Folgen des Klimawandels. Helen Cleugh von der Wissenschaftsbehörde CSIRO gab an, dass mit der Erderwärmung Trockenheit und Buschfeuer in Australien zunehmen dürften. Zudem werde der Anstieg des Meeresspiegels Folgen haben. Das sind fast banale Feststellungen, die in „Down Under“ aber immer noch von einigen angezweifelt werden.

          Manche Beobachter machen diese Skepsis auch dafür verantwortlich, dass die Morrison-Regierung so zögerlich auf die Buschfeuer-Krise reagiert hatte. So war der Regierungschef noch zum Urlaub nach Hawaii geflogen, während die Menschen schon bis zur Erschöpfung gegen die Flammen kämpften. Als Morrison später die Brandgebiete besuchte, beschimpften ihn Anwohner, Feuerwehrleute verweigerten ihm den Handschlag.

          Vom Tiefpunkt in den Umfragen hat er sich dank der Corona-Krise nun aber erstaunlich gut erholt. Zwar patzte er anfänglich auch dabei mehrfach, etwa als er zu Beginn der Krise noch ein Fußballspiel besuchen wollte. Aber er hat auch einiges besser gemacht. So hörte die Regierung diesmal auf die Wissenschaft und ergriff frühzeitig entschiedene Maßnahmen. Zudem arbeitete sie mit den Bundesstaaten zusammen, und das ungeachtet der politischen Zugehörigkeit. Wie Morrison sagte, habe seine Regierung die Ideologie in dieser Krise „an der Tür abgegeben“.

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