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Pierre Nkurunziza : Burundis Langzeit-Präsident gestorben

  • Aktualisiert am

Burundis Staatschef Pierre Nkurunziza ist am 8. Juni 2020 im Alter von 56 Jahren gestorben. Bild: AFP

Der Staatschef des ostafrikanischen Landes ist unerwartet gestorben. Während Burundis Regierung eine Coronainfektion als Ursache kategorisch ausschließt, mehren sich Spekulationen in der Bevölkerung.

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          Burundis Staatschef Pierre Nkurunziza ist an einem Herzinfarkt gestorben. Er sei am Samstag ins Krankenhaus gekommen, weil er sich unwohl gefühlt habe, teilte die Regierung mit. Am Sonntag habe es so ausgesehen, als gehe es ihm besser, aber am Montagmorgen habe sich sein Gesundheitszustand „zu sehr großer Überraschung“ plötzlich verschlechtert. Er habe nicht wiederbelebt werden können. Der Präsident wurde 56 Jahre alt.

          Sein Tod kommt wenige Wochen vor der Amtseinführung seines Nachfolgers Evariste Ndayishimiye, der im Mai die Präsidentenwahl gewonnen hatte. Die Abstimmung fand trotz Corona-Pandemie statt, dafür hatte Nkurunziza international Kritik auf sich gezogen. Unklar waren die nächsten Schritte der Regierung. Ein Sprecher war zunächst nicht zu erreichen. Eine Trauerwoche wurde ausgerufen.

          Spekulationen über Covid-19-Erkrankungen

          „Entsprechend der Verfassung von Burundi muss der Parlamentsvorsitzende übernehmen und eine Neuwahl ausrufen, wenn ein Präsident vor seiner Machtübergabe im Amt stirbt“, sagte der burundische Autor David Gakunzi. „Aber ich denke, die Führung wird diese Vorgabe ignorieren und mit Evariste Ndayishimiye gehen.“

          Derweil gab es trotz der Regierungserklärung zu Nkurunzizas Tod Spekulationen in der Bevölkerung, der Präsident sei möglicherweise an einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Davon gingen viele Menschen aus, sagte ein Anwohner in der Stadt Bujumbura, schließlich sei Nkurunzizas Frau zuletzt wegen einer Corona-Infektion nach Kenia ausgeflogen worden. Burundi hat 83 Coronavirus-Fälle verzeichnet. Wenige Tage vor der Wahl musste der oberste Vertreter der Weltgesundheitsorganisation im Land Burundi verlassen. Vorher hatte er überfüllte Wahlkampfveranstaltungen kritisiert.

          Nach der Übernahme des Präsidentenamts durch Ndayishimiye sollte Nkurunziza den Titel „Oberster Führer“ erhalten. Experten hatten erwartet, dass er in dieser Position weiter im Hintergrund die Fäden gezogen hätte.

          Nkurunziza war vor 15 Jahren ins Amt gekommen. Als er 2015 entschied, für eine umstrittene dritte Amtszeit zu kandidieren, stürzte er Burundi damit ins politische Chaos. Hunderte Menschen starben. Seiner Regierung wurden danach Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung und Folter vorgeworfen, was diese aber abstritt. Jegliche Ermittlungen schloss sie aus. Unter Nkurunziza verließ Burundi als erster Staat den Internationalen Strafgerichtshof.

          Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch teilte mit, Nkurunziza hinterlasse „ein Erbe rücksichtsloser Unterdrückung“. Er habe mit dem Instrument Angst regiert und ein System mit den schlimmsten Menschenrechtsverstößen gebaut; mit „außergerichtlichen Tötungen, Folter, dem Verschwinden von Menschen und der systematischen Niederschlagung Andersdenkender“. Der Zentralafrika-Direktor von Human Rights Watch, Lewis Mudge, forderte Burundi auf, zu den mutmaßlichen Verbrechen von Nkurunzizas Regierung zu ermitteln. „Solange diese Verfehlungen ungestraft bleiben, wird dieses dunkle Erbe viele Jahre lang über Burundi hängen.“

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