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Burma : Militärjunta droht den Demonstranten

„Die Dinge haben begonnen, ernst zu werden” Bild: REUTERS

Der von tausenden Mönchen angeführte Massenprotest bringt Burmas Militärjunta in Bedrängnis. Nun könnte die Situation eskalieren. Die Regierung droht den buddhistischen Glaubensbrüdern. Von Jochen Buchsteiner.

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          Als Reaktion auf die anhaltenden Proteste in Burma haben die Machthaber den demonstrierenden buddhistischen Mönchen mit rechtlichen Schritten gedroht. Der für Religion zuständige Minister, Brigadegeneral Thura Myint Maung, wurde am Montag vom staatlichen Rundfunk mit den Worten zitiert, falls nicht ranghohe Mönche ihre Glaubensbrüder von weiteren Proteten abhielten, „werden Schritte gegen die Protestmärsche im Rahmen der Gesetze eingeleitet“. Es war die erste Reaktion des Regimes seit Beginn der Proteste vor knapp einer Woche. Der Minister machte „destruktive Elemente, die gegen Frieden, Stabilität und Fortschritt im Land sind“, für die Demonstrationen verantwortlich.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Seit einer Woche marschieren die Mönche nun in ihren bunten Roben durch die Straßen der großen Städte, und täglich werden es mehr. Aus Dutzenden wurden erst Hunderte, dann Tausende - am Montag schätzten Beobachter die Zahl der Demonstranten auf mehr als 100 000. Anfangs demonstrierten die Mönche alleine, dann gliederten sich immer mehr Bürger ein - inzwischen verschwinden die Geistlichen beinahe im Heer der einfachen unzufriedenen Burmesen.

          „Die Dinge haben begonnen, ernst zu werden“

          Die Exilburmesen haben schon einen Begriff geprägt für die Umwälzungen, die sich in ihrer Heimat anbahnen: „Die jüngsten Demonstrationen in Burma“, kommentierte die Internetzeitung „The Irrawaddy“ am Montag, „senden das Signal an die internationale Gemeinschaft, dass der zweite Kampf um die Unabhängigkeit in Burma begonnen hat: die Gelbe Revolution“. Gelb ist die Farbe des burmesischen Buddhismus.

          „Destruktive Elemente”?

          Von allen Seiten erhalten sie Unterstützung. Nonnen mischen sich in die Demonstrationszüge, dann Studentengruppen. Zwei populäre Schauspieler, Zaganar und Kyaw Thu, erschienen am Montag am symbolischen Ausgangsort der Proteste, der Schwegadon-Pagode, und brachten den demonstrierenden Mönchen Wasser und Brot. Beobachter berichten von winkenden Passanten und ersten Transparenten, die Sympathie bekunden.

          Auch das Ausland nimmt immer mehr Anteil. Der Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, bot seinen Glaubensbrüdern Unterstützung an. Vertreter christlicher Kirchen aus Südafrika sendeten Solidaritätsadressen. Auch die politische Nachbarschaft ist aufgewacht. Am Montag äußerte der Generalsekretär der „Vereinigung Südostasiatischer Nationen“ (Asean) seine Sorge und forderte die Junta auf, von „starken Reaktionen“ abzusehen. „Die Dinge haben begonnen, ernst zu werden“, sagte Ong Keng Yong, der sich gerade in Polen aufhält. Die Bundesregierung forderte die Freilassung inhaftierter Demonstranten.

          „Das burmesische Volk verdient Besseres“

          Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, man beobachte die Lage mit großer Aufmerksamkeit und empfinde „Sympathie“ für die friedlichen Demonstranten. Die amerikanische Außenministerin Rice sagte: „Das burmesische Volk verdient Besseres. Es verdient das Recht, in Freiheit leben zu können, so wie jeder das tut.“

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