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Burma : Blutige Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Muslimen

Kuala Lumpur: Rohingyas demonstrieren für ein Ende der Gewalt gegen Muslime. Bild: AFP

Ein Ende der Gewalt zwischen Muslimen und Buddhisten in Burma ist kaum absehbar. In den vergangenen Tagen kamen drei Menschen ums Leben, Hunderte Häuser wurden niedergebrannt.

          Auch rund vier Monate nach den blutigen Zusammenstößen im Westen Burmas ist noch keine Lösung für den Konflikt zwischen den dortigen Buddhisten und Muslimen in Sicht. In den vergangenen Tagen starben bei neuen Unruhen in den Orten Minbya und Mrauk U in der Provinz Rakhaing drei Menschen, Hunderte Häuser wurden niedergebrannt. Im Juni waren bei ähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen einer buddhistischen Bevölkerungsgruppe und den muslimischen Rohingyas schon etwa 90 Menschen getötet worden. Zigtausende Menschen hatten aus Angst vor Gewalt die Flucht ergriffen. Seither leben viele Rohingyas isoliert und unter schwierigen Bedingungen in den Flüchtlingslagern außerhalb der Regionalhauptstadt Sittwe. In der Stadt demonstrierten am Mittwoch auch buddhistische Studenten und forderten offenbar die Vertreibung der Rohingyas aus der Universität und ihrer Umgebung. Im thailändischen Bangkok gingen wiederum exilierte Rohingyas auf die Straße, um auf das Schicksal der Muslime in Burma aufmerksam zu machen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Burma werden die etwa 800000 Rohingyas, die teilweise schon seit Generationen dort leben, nicht als eigenständige ethnische Gruppe, geschweige denn als burmesische Staatsbürger anerkannt. Die Mehrheitsbevölkerung sieht sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch an. Im Ausland hat der Ausbruch der Gewalt im Juni das überwiegend positive Bild von der Entwicklung Burmas hin zu mehr Demokratie und Offenheit getrübt. Es gab sogar Spekulationen, wonach der Konflikt die Chancen des reformorientierten Präsidenten Thein Sein auf den diesjährigen Friedensnobelpreis zunichte gemacht haben könnten. Thein Sein war als einer der Favoriten für den Preis gehandelt worden, der im Dezember an die Europäische Union verliehen wird. In diesem Jahr hatte schließlich auch Aung San Suu Kyi, die burmesische Preisträgerin von 1991, in Oslo ihre Preisrede nachgeholt, nachdem sie im Jahr 2010 aus dem langjährigen Hausarrest entlassen worden war.

          Allerdings wurde auch die burmesische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin wegen ihrer Zurückhaltung in der Rohingya-Frage kritisiert. So fühlt sich fast die gesamte politische Klasse Burmas offensichtlich bemüßigt, dem verbreiteten Ressentiment gegen die Rohingyas in Burma Rechnung zu tragen. Derzeit scheint deshalb auch alles auf eine permanente Trennung der Bevölkerungsgruppen hinauszulaufen. Eine Versöhnung ist nicht in Sicht. So klagte etwa ein Mitglied einer burmesischen Untersuchungskommission, die im Auftrag des Präsidenten den Hintergründen der Unruhen nachgehen soll, über die mangelnde Kooperationsbereitschaft von allen Seiten. Bereits mehrfach wurde gegen die Hilfestellungen internationaler Organisationen für die Rohingyas demonstriert. Unter den Demonstranten waren auch buddhistische Mönche. Widerstand regte sich auch gegen Pläne der Organisation für Islamische Kooperation (OIC), in Rangun und Sittwe Büros zur Koordinierung ihrer Hilfsprojekte zu eröffnen.

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