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Burkina Fasos Präsident Compaoré : Friedensstifter mit blutiger Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Vom Saulus zum Paulus: Blaise Compaoré Bild: AFP

An diesem Dienstag reist Entwicklungsminister Niebel nach Burkina Faso. Dessen Präsident Compaoré gilt längst als Westafrikas Chefunterhändler für schwierige Fälle. Doch er kann auch anders.

          Wenn Dirk Niebel an diesem Dienstag zu einem Besuch nach Burkina Faso aufbricht, wird der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf einen der dienstältesten - und, wie manche sagen, einen der ruchlosesten - Präsidenten des ganzen Kontinents treffen. Seit 1983 regiert Blaise Compaoré das „Land der aufrechten Männer“, wie Burkina Faso übersetzt heißt. Zimperlich ging er dabei nie vor. Compaoré war der Organisator des Militärputsches 1983, der seinen Offizierskollegen Thomas Sankara an die Macht brachte, und Compaoré war vermutlich auch derjenige, der Sankara 1987 beseitigen ließ, um selbst Staatschef zu werden.

          Umso erstaunlicher ist Compaorés Wandlung vom Saulus zum Paulus in den vergangenen Jahren. Früher eher bekannt als einer, der in der Region nur Ärger machte, hat sich der burkinische Präsident inzwischen zu einem ebenso geschätzten wie zunehmend unumgänglichen Verhandlungskünstler entwickelt. Compaoré führt gegenwärtig im Auftrag der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) deren Verhandlungen mit der Übergangsregierung in Mali und ist darüber hinaus in Kontakt mit den radikalen Islamisten im Norden Malis. Zuletzt machte diese burkinische „médiation“ Schlagzeilen, als vor rund zehn Tagen zwei spanische und eine italienische Geisel von den Radikalen in der nordmalischen Stadt Gao freigelassen wurden.

          Sowohl die Verhandlungen um das Lösegeld als auch die eigentliche Freilassung waren von Vertretern der burkinischen Regierung organisiert worden. Bereits im April war es dem burkinischen Außenminister Yipènè Djibrill Bassolé gelungen, die Putschisten um den malischen Hauptmann Amadou Sanogo Sankor davon zu überzeugen, die Macht an eine zivile Regierung zurückzugeben. Und wenn der Präsident der malischen Übergangsregierung mittlerweile öffentlich kundtut, das Gespräch mit den Radikalen im Norden zu suchen, darf man davon ausgehen, dass die Burkiner die entsprechenden Telefonnummern bereithalten.

          Blaise Compaoré hat sich zu einer Art westafrikanischem Chefunterhändler für schwierige Fälle entwickelt. Er half, in Togo eine Regierung mit Beteiligung der Opposition zu bilden und damit blutige Auseinandersetzungen zu verhindern, und er war es auch, der den Putschisten in Guinea freie und faire Wahlen abtrotzte. Dabei war der Mann aus Ziniaré nahe der Hauptstadt Ouagadougou nicht immer ein Friedensstifter - genau genommen war er das genaue Gegenteil.

          Zwei Gesichter

          Als der spätere liberianische Diktator Charles Taylor Mitte der achtziger Jahre auf wundersame Weise aus einem amerikanischen Bundesgefängnis fliehen konnte, fand er in Burkina Faso Unterschlupf. Compaoré machte Taylor dort auch mit dem Libyer Muammar al Gaddafi bekannt. Und als Taylor sich 1989 anschickte, Liberia zu überfallen, tat er dies mit Geld aus der Elfenbeinküste und militärischer Hilfe aus Burkina Faso. Die Verbindung hielt über viele Jahre, und als Liberia von den Vereinten Nationen mit einem Waffenembargo belegt wurde, tauschte Compaoré nach Erkenntnissen der UN mit Taylor Schießgerät gegen Diamanten.

          Insbesondere seine Verwicklung in den ivorischen Bürgerkrieg ab 2002 zeigte die beiden Gesichter des burkinischen Präsidenten. Die desertierten ivorischen Soldaten, die den harten Kern der Rebellen bildeten, griffen die Elfenbeinküste von Burkina Faso aus an, wo sie sich zwei Jahre lang darauf vorbereitet hatten. International ermahnt, geschweige denn verurteilt wurde Burkina Faso dafür nie. Compaoré hatte ein handfestes Interesse an einem Regimewechsel in der Elfenbeinküste, weil der dortige Präsident Laurent Gbagbo zunehmend fremdenfeindliche Töne anschlug und damit die auf drei Millionen Menschen geschätzten burkinischen Gastarbeiter in arge Nöte brachte. Nicht nur, dass die monatlichen Überweisungen aus der Elfenbeinküste nach Burkina Faso auszutrocknen drohten: Compaoré hätte im Fall einer erzwungenen Rückkehr dieser drei Millionen nach Burkina Faso angesichts der Armut im Land mit Unruhen und unter Umständen seinem politischen Ende rechnen müssen. Also wählte er die Vorwärtsverteidigung, die das ungleich reichere Nachbarland wirtschaftlich um zehn Jahre zurückwarf. Dass der zwischen Gbagbo und den Rebellen im Jahr 2007 ausgehandelte Frieden ausgerechnet von Compaoré vermittelt wurde, empfinden viele Ivorer bis heute als Hohn.

          Innenpolitisch hat Compaoré die anfänglichen Daumenschrauben für die Opposition längst gelockert, weil es schlichtweg keine nennenswerte Opposition mehr gibt - dafür hat er in den 25 Jahren, die er an der Macht ist, Sorge getragen. Wie wenig die burkinische Wählerschaft noch an einen demokratischen Wandel glaubt, den doch Compaoré in den Nachbarländern unermüdlich fordert, zeigte die Wahlbeteiligung bei den jüngsten Präsidentenwahlen im November 2010, die deutlich unter 50 Prozent lag.

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