https://www.faz.net/-gpf-97orx

Verdacht auf Terroranschlag : Bewaffneter Angriff in Burkina Fasos Hauptstadt

  • Aktualisiert am

Schwarzer Rauch steigt aus dem Botschaftsviertel in Ouagadougou auf. Bild: AFP

In der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Burkina Faso haben Bewaffnete französische Einrichtungen angegriffen. Die Regierung geht von einem Terroranschlag aus.

          2 Min.

          Bei einem Terroranschlag in der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen auch acht Angreifer. Der Angriff richtete sich gegen die Zentrale der Streitkräfte und die französische Botschaft in der Hauptstadt Ouagadougou. „Nach jetzigen Erkenntnissen sind keine Deutschen unter den Opfern“, teilte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

          Vier Soldaten seien bei dem Angriff auf den Sitz des Generalstabs der Streitkräfte getötet worden, vier weitere bei der Botschaft. Mindestens 80 Personen wurden verletzt, teilte Sicherheitsminister Clément Sawadogo am Abend mit. Der Kommunikationsminister Remi Dandjinou sagte: „Es kann nicht geleugnet werden, dass der Angriff eine starke terroristische Konnotation hat.“ Ob es auch Opfer unter der Zivilbevölkerung gab, blieb zunächst unklar.

          Am Freitagmorgen war im Regierungsviertel der Hauptstadt automatisches Feuer zu hören, etwa aus Maschinenpistolen, wie Reporter berichteten. Vom Gelände des Generalstabs stieg zudem schwarzer Rauch auf, der auf eine Detonation hindeutete. Örtliche Medien sprachen von einer explodierten Autobombe. Auf dem Gelände waren Ambulanzen zu sehen. Sicherheitskräfte riegelten das Viertel weitgehend ab. Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, sich von dem Stadtviertel in der Nähe des Amtssitzes des Premierministers fernzuhalten. Spezialeinheiten des Militärs kamen zum Einsatz.

          Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilte den Angriff scharf. Er habe mit Präsident Roch Marc Christian Kaboré gesprochen, teilte der Élyséepalast am Abend mit. Frankreich sei entschlossen, zusammen mit Staaten der Sahelzone weiter gegen Terrorgruppen zu kämpfen. Der franzöische Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte dem Fernsehsender LCI, es gebe „keine französischen Opfer, soweit wir wissen“.

          Das Außenministerium habe sofort den Krisenstab einberufen, erklärte Le Drian. Das Auswärtige Amt forderte Reisende auf, „Bewegungen in Ouagadougou vorerst zu vermeiden, in sicheren Unterkünften zu bleiben und die lokalen Medien zu verfolgen.“ Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, wie die Behörde bestätigte. Das ist bei Fällen im Ausland üblich, in denen Franzosen Opfer oder Ziel waren.

          Der Bürgermeister Ouagadougous, Armand Béouindé, sagte der französischen Zeitung „Le Monde“, es handle sich offenbar um einen Anschlag radikalislamischer Dschihadisten. Zunächst bekannte sich jedoch keine Gruppe zu dem Anschlag. Der Sitz des Generalstabs in der Nähe des französischen Kulturinstituts liegt nur knapp zwei Kilometer westlich der französischen Botschaft.

          Die frühere französische Kolonie Burkina Faso liegt in Westafrika und grenzt an die Sahelzone. Diese dient mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida oder der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) verbundenen Gruppen als Rückzugsgebiet.

          Zuletzt waren in Ouagadougou bei einem Anschlag auf ein Restaurant im vergangenen August knapp 20 Menschen ums Leben gekommen. Im Januar 2016 hatten islamistische Extremisten ebenfalls ein beliebtes Restaurant angegriffen, 29 Menschen wurden getötet, etwa 70 weitere teils schwer verletzt.

          Die Streitkräfte Burkina Fasos wollen sich an einer bis zu 5000 Mann starken neuen Anti-Terror-Truppe zur Bekämpfung radikaler Islamisten in der Sahelzone beteiligen. Das westafrikanische Land mit knapp 19 Millionen Einwohnern gehört einem UN-Index zufolge zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt der Weltbank zufolge bei 60 Jahren (Deutschland: 81). Fast jedes zehnte Kind stirbt noch vor seinem fünften Geburtstag.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Stefan Löfven bei einer Pressekonferenz im März 2020 in Stockholm

          Schwedens Ministerpräsident : Löfven durch Misstrauensvotum gestürzt

          Eine Mehrheit im schwedischen Reichstag hat Ministerpräsident Stefan Löfven das Misstrauen ausgesprochen und damit die rot-grüne Regierung gestürzt. Auslöser der Regierungskrise war ein Streit über das Mietrecht.
          Erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021: Die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga

          Autorin aus Simbabwe : Friedenspreis für Tsitsi Dangarembga

          Die Romane der diesjährigen Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels sind sowohl literarisch wie gesellschaftspolitisch eindrucksvoll. Mit Tsitsi Dangarembga wird eine klaffende Lücke im Preisgefüge der jüngeren Zeit geschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.