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Ortskräfte in Afghanistan : „Ich finde es ehrlich gesagt schäbig, was da passiert“

Soldat Marcus Grotian (Archivbild) Bild: Picture-Alliance

Bundeswehrsoldat Marcus Grotian engagiert sich dafür, dass afghanische Ortskräfte, die für die Truppe gearbeitet haben, nach Deutschland kommen können. Er kritisiert, dass die Regierung nur wenige aufnehmen will.

          4 Min.

          Herr Grotian, Sie sind Bundeswehrsoldat und waren 2011 in Afghanistan im Einsatz. Seit Jahren engagieren Sie sich für afghanische Ortskräfte, die einst die Bundeswehr unterstützt haben. Dafür haben Sie 2015 das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. mitbegründet. Wie bewerten Sie deren derzeitige Sicherheitslage?

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Ich sag' ihnen mal eins, wenn die UN sich nicht traut, ein Büro in Masar-e Sharif zu eröffnen, was sagt Ihnen das über die Lage in Masar-e Sharif? Andere Gebiete, wie Faizabad, in denen wir operiert haben, von denen hören wir wenig. Die Taliban sind da schon an der Macht. Und dann werden die Meldungen aus solchen Gebieten erfahrungsgemäß irgendwann immer weniger.

          Wie unterstützen Sie die Ortskräfte mit Ihrem Verein?

          Die Hilfe erfolgt in vier Phasen: Wir sorgen zunächst dafür, dass die Ortskräfte, die hier in Deutschland ankommen, direkt ein Dach über dem Kopf bekommen. Diejenigen, die ein Visum haben, aber noch in Afghanistan sind, versuchen wir so schnell wie möglich in Marsch zu setzen und dabei zu unterstützen, nach Deutschland zu kommen, falls sie sich die Reise nicht leisten können. Dann gibt’s noch die Gruppe der Ortskräfte, die mit dem Prozess zum Erlangen eines Visums noch gar nicht begonnen haben, weil Deutschland seit dem 16. Juni in Afghanistan alles abgebaut hat und es praktisch keine Ansprechpartner für Betroffene vor Ort mehr gibt. Diese Betroffenen versuchen wir in Kabul zusammenzuziehen und so sicher wie möglich unterzubringen, damit sie wenigstens die Zeit haben, den Visaprozess zu durchlaufen. Danach unterstützen wir sie, das Land zu verlassen, sei es mit Flugtickets oder meinetwegen fliegen wir auch selbst nach Afghanistan mit einer gecharterten Maschine rein. Die Planung dafür ist schon voll im Gange. Ich hoffe, dass wir das machen können, bevor Kabul im Blut untergeht. Als viertes wollen wir Ortskräfte, die aufgrund enger politischer Restriktionen nicht antragsberechtigt bleiben, beim Aufbau eines neuen Lebens unterstützt, wo immer das sein mag.

          Woran liegt es, dass viele Ortskräfte, die für Deutschland gearbeitet haben und nach dem Abzug der deutschen Truppen in ihrer Heimat in Gefahr sind, nicht hierhin einreisen dürfen?

          Da gibt es politische Gründe. Vielen ehemaligen Ortshelfern, deren Arbeitsverhältnis länger zurückliegt, wird nicht mehr geholfen. Man argumentiert ungefähr so, dass jemand, der beim Auswärtigen Amt vor mehr als drei Jahren gearbeitet hat, gar keine Gefährdung haben könne. Da bräuchte er auch nicht antragsberechtigt zu sein. Beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ist das genauso. Und wenn Sie vor 2013 für die Bundeswehr gearbeitet haben, dann haben Sie das Glück, dass Ihnen natürlich auch nichts passieren kann. Wir haben da also einfach viele Menschen, die für uns früher gearbeitet haben durch ganz bestimmte Fristen ausgeschlossen und die bleiben jetzt alle zurück. Das man ihnen versucht zu helfen, dafür stehen wir ein.

          Den Betroffenen wurde von der deutschen Regierung schnelle und unbürokratische Hilfe zugesagt. 

          Die Leute, die ganz zum Schluss für uns gearbeitet haben, da hatte ich den Eindruck, dass man ihnen schnell geholfen hat. Leider hat man das alles auf eine sehr enge Personengruppe beschränkt. Dementsprechend versuchen wir jetzt den Ortskräften Zeit zu verschaffen, dass sie den Visumsprozess ganz schnell durchlaufen können und wir sie schnell nach Deutschland kriegen.

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