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Mission in der Wüste : Darum kommt der Bundeswehr-Einsatz in Mali nicht voran

  • -Aktualisiert am

Sehr gefragt: Aufklärungsdrohne der Bundeswehr Bild: Michael Seidel/Bundeswehr

Um Fluchtursachen zu bekämpfen, beteiligt sich Deutschland am UN-Einsatz in Mali. Doch die Mission steht vor großen Problemen.

          7 Min.

          Um vier Uhr morgens nimmt die Skywalker Fahrt auf. Die Heron-Drohne beschleunigt, Staubfahnen steigen in das trübe Licht, das von den großen Feldlagern am Rande des Flugplatzes von Gao auf die Start-und-Lande-Bahn fällt. Seit Stunden geht ein starker Wind, der den Wüstenstaub in die Atmosphäre wirbelt. Die Sicht ist schlecht. Nach ein paar hundert Metern hebt die Drohne mit dem Funkrufnamen Skywalker ab. Kurz darauf verschmelzen ihre blinkenden Positionslichter mit den Sternen am Himmel. In drei Kilometer Höhe dreht sie nach Norden ab und verschwindet über der Wüste.

          In Camp Castor, dem Feldlager von gut 800 Bundeswehr-Soldaten im Norden Malis, sitzen Pilot und Operator der Drohne an einem Steuerpult, vor sich fünf Bildschirme und eine Tasse Kaffee. Die beiden Offiziere sind zwei von zehn deutschen Heron-Soldaten in Gao. Sie lenken von hier aus die Drohne und bedienen ihre Kameras. Sie möchten nicht, dass ihr Name in der Zeitung steht. Denn ihre Aufgabe ist es, Terroristen und andere bewaffnete Milizen aufzuspüren, die sich gerade wieder ausbreiten. Terror und Instabilität in Mali – das bedeutet über kurz oder lang auch Flüchtlinge in Richtung Norden und Instabilität in Europa. Auch für Migranten aus anderen Staaten spielt das westafrikanische Land eine wichtige Rolle: Es liegt auf der Route über Algerien nach Spanien. Deutschland und die EU investieren Hunderte Millionen Euro, um die Migrationsströme aus der Sahelzone in Richtung Mittelmeer zu stoppen.

          Vor sechs Jahren stand das Land schon einmal kurz vor dem Zusammenbruch. Damals nutzten Dschihadisten einen Tuareg-Aufstand im Norden, um weite Gebiete Malis zu besetzen. Als sie auf die Hauptstadt Bamako zumarschierten, griffen französische Kampfeinheiten ein. Sie schlugen die terroristischen Milizen zurück. Nach dem Ende der Kämpfe schickten die Vereinten Nationen 12.000 Soldaten, um den Norden Malis zu stabilisieren.

          Die Zahl terroristischer Milizen wächst

          Doch das gelingt nicht. Nach wie vor gibt es unzählige bewaffnete Gruppen, die teils auf der Seite der Regierung, teils auf der Seite der Aufständischen stehen. Auch die Zahl terroristischer Milizen wächst. Sie sind mit Ansar al Dine, einer lokalen Terrororganisation, Al Qaida im islamischen Maghreb oder dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) verbunden.

          Der IS und Al Qaida kämpfen inzwischen nicht mehr nur im Norden Malis um die Macht, sondern auch in der Mitte des Landes. Wie schon vor sechs Jahren nutzen die Terroristen auch diesmal einen regionalen Konflikt: In Zentralmali mit der Stadt Mopti im Zentrum kämpfen Nomaden gegen sesshafte Bauern um fruchtbares Land. In dem Streit um Weidegrund geben sich die Terroristen als Schlichter. Sie übernehmen auf diese Weise sukzessive die Macht in den Dörfern und führen dann die Scharia ein.

          Das können sie, weil die Regierung um Präsident Ibrahim Boubacar Keita nicht in der Lage ist, in den Städten und Dörfern Recht und Gesetz durchzusetzen. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens stammen Soldaten und Polizisten überwiegend aus Volksgruppen, die im Süden Malis siedeln. Sie weigern sich, ihr Leben für die Ethnien in Nord- und Zentralmali zu riskieren, deren Sprache sie zudem nicht sprechen. Zweitens sind Armee und Polizei unterbezahlt, schlecht ausgerüstet und unzureichend ausgebildet. Sie haben gegen die häufig besser bewaffneten und gut motivierten Milizen keine Chance. Und drittens schließen sich viele Einwohner den Terroristen an, weil sie arm und perspektivlos sind. Sie fühlen sich vom Staat im Stich gelassen.

          Überdies hat sich Mali mit Burkina Faso, Niger, Tschad und Mauretanien zusammengeschlossen, um mit einer gemeinsamen Eingreiftruppe gegen den islamistischen Terrorismus in der Sahelzone vorzugehen. Das bedeutet allerdings, dass das Land seine eigenen Bewohner bekämpfen muss, denn kaum einer der Dschihadisten stammt aus dem Ausland. „Das sind überwiegend Kinder Malis“, sagt ein Diplomat in Bamako.

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